Kein halben Sachen: Reduktion

Nach dem ich im ersten Teil die Skizze der Kurzgeschichte ‚Kein halben Sachen‚ vorgestellt habe, geht es im zweiten Teil um die Reduktion, bevor ich mich dann im dritten Teil dem Plot zuwenden werde. Ich will versuchen, mit drei Sätzen den Kern der Geschichte zu erfassen.

Wichtig sind dabei die Fragen, worum es geht, was passiert und was am Ende anders ist als vorher. Drei Sätze. Hört sich eigentlich einfach an, ist es aber nicht. Immer wieder stelle ich für mich fest, dass es mir nicht leicht fällt, einen Text soweit einzukochen. Bei ‚Altmetall am Altrhein‚ habe ich mich unsagbar schwer getan, dafür eine Kurzbeschreibung anzufertigen. Insofern ist es eine gute Übung, die Skizze auf genau drei Sätze zu reduzieren.

Erster Versuch: Ein Mann mit einem Bein will sich sein anderes Bein amputieren lassen. In seiner Wohnung trifft er letzte Vorbereitung dafür.

Unschwer zu erkennen ist, das ich nach dem zweiten Satz abgebrochen habe. Das liegt darin, dass der erste Satz bereits nicht spannend genug ist. Zudem ist die Aussage im zweiten Satz falsch. Die letzten Vorbereitungen werden nicht getroffen, sondern sie sind bereits getroffen worden. Was die Geschichte zeigen soll, sind die letzten Minuten vor der Amputation. Die Frage, was am Ende anders ist, lässt sich nicht beantworten, zumindest aus der Skizze nicht. Ob das andere Bein erfolgreich amputiert wird, bleibt offen. Möglicherweise ist das der Schlüssel.

Zweiter Versuch: Nicht alle Menschen sind glücklich über zwei gesunde Beine. Manche fühlen sich erst vollständig, wenn ihre beiden Beine amputiert wurden. Für Michael steht der letzte Schritt kurz bevor.

Schon besser, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es Sinn macht, den Namen des Protagonisten zu erwähne (Nebenbei bemerkt bezweifle ich auch, dass es Sinn es macht, hier von einem Protagonisten zu sprechen, da es keinen wirklichen Antagonist gibt. Hauptfigur macht wohl eher mehr Sinn.) Was mir nicht gefällt, ist die Verallgemeinerung im ersten Satz. Der zweite Satz wirkt gestellt und sprachlich nicht sehr elegant.

Dritter Versuch: Auf einem Bein kann man nicht stehen. Das war der Grund für Michael, sich auch noch sein anders amputieren zu lassen. Die letzten Vorbereitungen für eine Hausoperation hatte er getroffen.

Der erste Satz gefällt mir diesmal recht gut, da er einen Widerspruch zum Ausdruck bringt. Der zweite Satz schließt sich gut an, aber der dritte schert aus. Er wirkt in Bezug zu den ersten beiden wie ein Fremdkörper. Zudem könnte es eher der Anfang eines Klappentextes sein als eine Reduktion der gesamten Handlung auf drei Sätze. Wenn ich jetzt noch mal über das bisher Geschrieben lese und mir die Skizze vornehme, sehe ich ein Problem dabei, die Handlung zu erfassen. Im Grunde passiert in dem Abschnitt, den der Leser in der fertigen Kurzgeschichte zu sehen bekommt, nichts. Die Figur, nennen wir ihn wie bereits geschehen, Michael, geht nur in Gedanken die Vorbereitungen durch. Zusätzlich erinnert sich Michael noch an die erste Amputation. Der eigentlich Vorgang der Amputation des zweiten Beines vollzieht sich nach der Geschichte, im Kopf des Lesers. Im Text wird es drei Zeitebenen geben. Die Gegenwart, die unmittelbare Vergangenheit und die Reflektion über den länger zurück liegenden Thailand-Aufenthalt.

Vierter Versuch: Auf einem Bein kann man nicht stehen. Sein Entschluss, sich deshalb auch noch das andere Bein amputieren zu lassen, stand daher fest. Wenn er den Mut nicht verlieren wird, geht er bis zum Äußersten.

Im letzten Satz habe beim schreiben ‚Ende‘ durch ‚Äußersten‘ ersetzt, weil es mir logischer erschien. Rausgefallen in den drei Sätze ist in diesem Versuch der Name der Figur. Gleich geblieben ist der erste Satz, an dem ich etwas hänge. Inhaltlich ist der zweite fast identisch zu dem im dritten Versuch. Mit dem letzen Satz bin ich in seiner jetzigen Form in keiner Weise zufrieden. Deutlich wird mir zusätzlich, wie schwierig es ist, die Skizze auf drei Sätze zu reduzieren und dabei alles zu erfassen.

Fünfter Versuch: Auf einem Bein kann man nicht stehen. Sein Entschluss, auch noch das andere Bein amputieren zu lassen, stand fest. Sein Mut würde ihn bis zu dem Punkt gehen lassen, an dem es kein zurück mehr gab.

Die beiden Verbindungswörter ‚deshalb‘ und ‚daher sind‘ sind in diesem Versuch weggefallen, ohne das es ein Verlust wäre. Im Gegenteil. Der zweite Satz wirkt durch den Verzicht deutlich gelungener auf mich. Mit dem dritten Satz bin ich aber immer noch nicht zufrieden, nicht nur, weil ich in ihm ‚lassen‘ wiederhole.

Sechster Versuch: Auf einem Bein kann man nicht stehen. Sein Entschluss, auch noch das andere Bein amputieren zu lassen, stand fest. Die Plane auf dem Fußboden war für ihn ein Symbol seines Willens, den eingeschlagenen Weg bis zu Ende zu gehen.

Ein sehr langer dritter Satz, der auch überfrachtet ist. Die Plane als Symbol seines Willens. Sie dient eher dazu, größere Sauereien zu verhindern. Was mir gefällt, ist aber die Erwähnung der Plane, weil das für mich auch die Verknüpfung zu dem allersten Bild ist, dass ich im Kopf hatte von der Geschichte.

Siebter Versuch: Auf einem Bein kann man nicht stehen. Sein Entschluss, auch noch das andere Bein amputieren zu lassen, stand fest. Die Plane auf dem Fußboden seiner Wohnung sollte größere Sauereien verhindern, wenn er den letzten Schritt gehen würde.

Wirkt auf mich erstmal rund. Mir gefällt dabei, dass im letzten Satz auch eine Spannung aufgebaut wird. Gleichzeitig erfährt man durch die drei Sätze eine Menge. Ein Bein soll amputiert werden. Offensichtlich gibt es keine medizinische Notwendigkeit, was auch dran ablesbar ist, dass die Amputation in der Wohnung der Hauptfigur vorgenommen werden soll. Ich denke, die drei Sätze des siebten Versuches werde ich vorerst als Endergebnis der Reduktion betrachten.

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