Heul doch, Horst!

Mit sofortiger Wirkung ist gestern Bundespräsident Horst Köhler zurückgetreten – oder wie wir in der SPD sagen würden: er hat den Lafontaine gemacht. So ein Abgang mitten in der Amtszeit wirft Fragen auf. Vor allem die Frage nach dem Warum.

Köhler selber begründet seinen Rücktritt damit, dass Kritik an seinen jüngsten Äußerungen den notwendigen Respekt vor dem Amt des Bundespräsident vermissen lasse.

Im Rahmen eines Interviews hatte Köhler gesagt, dass

ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militärischer Einsatz notwendig, um unsere Interessen zu wahren

Klingt beim ersten Mal sehr abstrakt und ist deshalb wohl auch zunächst nicht weiter beachtet worden. Köhlers Pech allerdings war, dass seine Äußerungen auf dem Rückflug von einem Besuch in Afghanistan gefallen sind.

Man muss nicht besonders böswillig sein, um aus den Sätzen zu lesen, Deutschlands Wirtschaftsinteressen würden bei Bedarf mit militärischer Gewalt durchgesetzt.

Der Rücktritt von Köhler war das Hinwerfen des höchsten Amtes im Staat auf Grund einer empfundenen Beleidigung. Wenn jemand diesem Amt tatsächlich Schaden zugefügt hat, dann war es Köhler selber durch seine Handlungsweise. Es ist nicht schwer, aus seinem Verhalten den politischen Selbstmord eines amtsmüden Bundespräsidenten herauszulesen, Vielleicht hat er wirklich nur einen Vorwand gesucht, um das Handtuch zu werfen.

All diejenigen, insbesondere aus der schwarz-gelben Koalition, die ihm jetzt hinterherheucheln, haben es in den vergangen Monaten an Unterstützung für Köhler mangeln lassen, den sie selber ins Amt gehievt hatten. Das Problem war allerdings nicht, dass Köhler zu unbequem war. Köhlers grösstes Problem war und ist, dass er keine Lücke nach seinem Abgang hinterlässt, weil das voraussetzt, er hätte etwas ausgefüllt.

Das Köhler bei leichtem Gegewind das Handtuch wirft, zeigt das es ihm am Pflichtbewusstsein mangelt. Hinzu kommt, dass Deutschland niemand benötigt, der sich über jegliche Kritik stellt. Wer berechtigte Rückfragen zum Anlass nimmt, beleidigt zu sein oder um in Tränen auszubrechen, der ist in der Tat der falsche Mann fürs Amt. Kritik an der Person muss erlaubt sein und hat nichts mit seinem Amt an sich zu tun.

Die Bundesversammlung, die in 30 Tagen ein Ersatz wählen muss, wäre gut beraten, diesmal keinein Politpraktikanten, sondern jemand mit der notwendigen politischen Erfahrung und Gelassenheit zu wählen.

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