Frau Schmitt kann kochen, Teil VII

Frau Schmitt kann kochen, Teil VII

Die folgende Tage vergingen, ohne dass sich jemand genau daran erinnern wollte, was passiert war. Auch Herr Wustock wollte lieber alles vergessen. Die Nacht im Hotel, seine Kopfschmerzen und vor allem seine Frau. Das er sich in Bezug auf seine Frau wirklich Mühe gab, zeigte sich an den Krankenhausbesuchen die er nicht machte.

Frau Schmitt kochte seit dem Vorfall nicht mehr. Sie hatte keinen Hunger, dafür aber Blumen im Bauch. Wenn Martin Brecht ihr im Hausflur begegnete, hatte sie immer leicht gerötete Wangen. Brecht schloss daraus, dass es draussen ziemlich kalt sein musste, was für die Jahreszeit normal war. Ihm entging allerdings dabei, dass Frau Schmitt meistens aus ihrer Wohnung zur Haustür ging statt umgekehrt, wenn er sie im Flur traf.

Beide Hände von Frau Wustock waren in dicke Verbände gewickelt. Wenn sie Pech hatte, würde sie noch vor Weihnachten nach Hause kommen. Die Schwestern im Krankenhaus waren sehr nett und kümmerten sich aufmerksam um sie, obwohl sie nur Kassenpatientin war. Möglicherweise jedoch war jegliche Form von Aufmerksamkeit mehr, als sie in den letzten Monaten von ihrem Mann bekommen hatte. Der stand in ihrer Abwesenheit mehrfach mit einem Strauß Blumen vor der Tür von Frau Schmitt, um sich angeblich zu bedanken. Tatsächlich hatte er Hunger, nicht nur auf was zu essen.

Von beiden bekam Frau Schmitt nichts mit, da sie um sich abzulenken, noch länger im Büro arbeitete. Sogar am letzten Sonntag vor Weihnachten wollte sie ins Büro fahren, als es an der Wohnungstür wieder klingelte. Durch den Türspion sah sie niemanden, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Als sie die Tür trotz eines leichten Unbehagens öffnete, war ihr sofort klar, warum sie nichts gesehen hatte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren