Frau Schmitt kann kochen, Teil III

Durch den Hausflur drang laut Weihnachtsmusik in die Wohnung von Frau Schmitt, die gerade mit wichtigeren Dingen im Badezimmer beschäftigt war. Genauer gesagt hing sie mit dem Kopf in der Kloschüssel und übergab sich. Schuld daran war nicht die Weihnachtsmusik, die war Frau Schmitt im Moment gerade völlig egal. Auch eine Schwangerschaft schied aus, denn es gab keinen männlichen Grund dafür. Einzig und allein der Glühwein von der Weihnachtsfeier, insbesondere das zu viel dran, hatte dazu geführt, dass es Frau Schmitt im Moment gerade ziemlich schlecht ging.

Lauter ließ sich die Musik nicht drehen. Trotzdem kam Frau Wustock nicht in Weihnachtsstimmung. Ihr Mann war arbeiten, wo sonst. Zumindest ging sie davon aus und wusste nicht, wo er sich gerade mit der hübschen neuen Kollegin vergnügte. Dank der Musik hörte Frau Wustock nicht, dass es energisch piepte. Erst als der Geruch von verbrannten Plätzchen durch die Wohnung zog, machte sie schlagartig die Musik aus, hörte es immer noch piepen und zog in Panik die verbrannten Weihnachtsboten aus dem Ofen. Was ihr dabei fehlte, waren Handschuhe, so dass Blech und schwarze Plätzchen auf den Boden fielen. Die Fliesen auf dem Fußboden war das einzige, worüber Frau Wustock dankbar war, denn sie verhinderten schlimmeres. Als der erste Schock vorbei war, setzten die Schmerzen ein. Selbst viel kaltes Wasser half nicht.

Martin Brecht kam gerade vom Briefkasten zurück, in dem sich erwartungsgemäß keine Weihnachtskarten befanden hatten. Nur Rechnungen, Werbung und Werbung für künftige Rechnungen, also Kredite. Die Musik war im Hausflur verstummt, wofür er sehr dankbar war. Allerdings roch es irgendwie verbrannt. Herr Brecht wusste nicht, ob er sich Sorgen machen sollte. Weihnachten in einer Notunterkunft mit Martin, dass wollte er seinem Sohn nun wirklich nicht antun. Also schellte er bei Wustocks an der Tür, denn zweifelsfrei kam der stechende Geruch aus deren Wohnung.

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