Die halbe Warheit in Grün

McDonald’s will sich einen grünen Anstrich geben und künftig seine rote Farbe gegen Grün tauschen. Wie es heißt, soll die optische Änderung die Verantwortung des Unternehmens zum Erhalt der natürlichen Resourcen zum Ausdruck bringen.

Die zu erwartende reflexartig Kritik am Konzern blieb natürlich nicht aus. Der Vorwurf der Scheinheiligkeit dürfte darunter noch der harmloseste sein. Dabei tappen die Kritiker direkt in die Falle. Es wird niemand ernsthaft bestreiten können, dass McDonald’s nicht mit diesem Vorwurf gerechnet hat. Im Gegenteil, es ist davon auszugehen, dass die Kritik an der Farbänderung Teil der Werbestrategie ist. Offline wie online bringt sich das Unternehmen ins Gespräch und lenkt geschickt von den eigentlichen Gründen für die Farbänderung ab.

Es geht nicht um Umweltbewustsein, sondern um Farbpsychologie (wir verkneifen uns an dieser Stelle den Hinweis, dass auch in der politischen Landschaft rot auf dem absteigenden Ast ist). Rot bedeutet Stop, warnt im Strassenverkehr vor Gefahr. Grün dagegen ist nicht nur positiv besetzt.

Bereits in der Vergangenheit gab es Produkte bei McDonalds’s in grüner Verpackung. Die sahen allein durch den grünen Umkarton nicht nur wertiger und edler aus, sondern ließen sich deshalb auch zu einem höheren Preis verkaufen. Genau darum geht es dem Konzern eigentlich, um die Rendite.

Der Umsatz wird in den kommenden Monaten auf zweierlei Art gesteigert. Kurzfristig dadurch, dass man den Franchise-Nehmern das neue CI verkauft und somit extra Erlöse erzielt. Langfristig dadurch, dass der neue Anstrich auch zu neuen Preisen führen wird. Was und ob dabei etwas für den Umweltschutz hängenbleibt, ist nebensächlich.

Wer noch nicht glaubt, welchen Zweck die Umfärbung wirklich hat, der sollte sich die rote Pommes-Tüte vorstellen (oder kaufen). Anschließend einfach vor dem geistigen Auge das Rot gegen ein dunkles, sattes Grün ersetzen. Die Pommes wirken in der grünen Verpackung deutlich leckerer. Durch den grünen Farbton wird auch das gold-gelb der Pommes besser betont. Dafür zahlt man dann doch gerne mehr.

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