Paul ist Schuld

Paul ist Schuld

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sieht die Rentenversorgung derzeit noch so aus, dass man alternden Moderatoren eine Fernsehshow gibt, die sie so lange machen können, bis sie mit einem Herzinfarkt umkippen – aber bitte nicht vor laufender Kamera, denn schließlich besteht, auch wenn es nur ein kleiner ist, ein Unterschied zum Privatfernsehen. Ein gutes Beispiel dafür ist diese für jüngere Zuschauer (alles was selbstständig essen kann und noch keine Inkontinenzwindel trägt) unverständliche Wettshow, die samstags im ZDF läuft.

Vor diesen Niederungen flüchtet sich der Liebhaber wirklicher Kultur in die noch vorhandenen Theater und Konzertsäle. Gerade aber letztere scheinen keine feste Burg mehr zu sein, denn hier schlagen Nachwuchs-„Talente“ auf, die vorher im privaten Fernsehen rekrutiert wurden. Ganz so, als ob sich Talent durch Beliebtheit ersetzten lässt. So was funktioniert bekanntlich nur in der Politik.

So hat dann auch der Erfolg des angeblichen Telefonverkäufers Paul Pots (Achtung, mit s am Ende und daher nicht verwandt mit dem Schlächter aus Kambodscha) etliche Nachahmer gefunden. Sogar in Provinzstädten wie Bielefeld muss man sich mit ihnen rumschlagen. Jüngst gab es eine Aufführung mit einem ehemaligen italienischen Polizisten als Tenor – wobei die Premiere ins Wasser fiel, da er einen Kollaps hatte. Von Orchestermusikern ist zu hören, dass dies eigentlich absehbar gewesen sei, denn zwar hätte der Möchtegern-Star bei der Bewerbung mit seiner Stimme brilliert, aber da wird eben nur 10 Minuten gesungen und nicht einen ganzen Abend. Um eine Aufführung durchzuhalten, braucht man eine trainierte Stimme und die fällt einem nicht einfach so zu.

Aber wie dem auch sei, mit etwas Glück bleiben uns zumindest ehemalige Banker erspart, die sich als Koch im Fernsehen versuchen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren