Strafe statt Gerechtigkeit?

Aktuell zeigen die Beispiele in Hessen und Bayern, wie schnell ausländische Jugendliche zum Wahlkampfthema werden können. Dabei geht es nicht um soziale Gerechtigkeit, sondern es werden einzelne Gewalttäter zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem stilisiert. Das es es tatsächlich ein gesellschaftliches Problem gibt, ist unbestritten. Allerdings greift die derzeit verwendete Formel Jugendliche mit „Migrationshintergrund sind nicht selten auch gewalttätige Jugendliche mit Migrationshintergrund“ nicht nur zu kurz, sonder verkennt auch die Realität.

Diese einfache, eingeschränkte Wahrnehmung folgt entsprechend auch eine Lösungsstrategie, die Bestrafung, Abschreckung und Abschiebung in den Vordergrund stellt. Vernachlässigt wird dabei die Frage nach den wahren Ursachen von Gewalt und Kriminalität Jugendlicher.

Diese Gewalt lässt sich sicher weder ignorieren noch pauschal entschuldigen, sie ist aber dennoch ein Zeichen zunehmender Hilflosigkeit. Einer Hilflosigkeit, die ihren Ursprung unter anderem in der fehlenden Chancengleichheit hat.

Diese These lässt sich durch die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie stützen, welche die Resultate der Studien von 2000 und 2004 noch einmal bestätigt. Demnach steht es fest, dass es nach wie vor eine soziale Auslese in Deutschland gibt. Deutsche Schulen scheitern noch immer bei der Förderung von Migranten und Kindern aus armen Familien. So haben diese Kinder auf allen Bildungsstufen, vom Kindergarten bis zu den Hochschulen, deutlich schlechtere Chancen als ihre deutschen Altersgenossen.

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