Der letzte Indianer

An einem so schönen Sonntag wie heute mal eine fast unverfängliche Frage: Hat eigentlich jemand in letzter Zeit was von Bundespräsident Horst Köhler gesehen oder gelesen? Irgendwie ist es verdammt still geworden. Möglicherweise liegt er ja irgendwo in Schloss Bellevue in einem Zimmer, fängt schon an zu riechen und wir wissen es nur noch nicht.

Aber mal Spaß beiseite. Es ist schon wirklich eigenartig, dass zu einigen wichtigen Themen die Stimme des Bundespräsidenten nicht zu vernehmen ist. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass sich innerhalb des Bundestages die Lager verändert haben. Bei seiner Wahl war er noch der Liebling von CDU/CSU und FDP gewesen, in den letzten Monaten wirkte er oftmals wie jemand, der schon eine halbes SPD-Parteibuch hat.

Unabhängig von seinen politischen, staatstragenden Äußerungen dürfte er wohl den meisten als jemand fehlen, der eine gute Karikatur abgibt und in die Lücke springt, die Bundeskanzlerin Merkel geschaffen hat. Sie hat es in den letzten Monaten geschafft, vor allem dadurch aufzufallen, dass sie bemüht darum ist, eben genau dies nicht zu tun. Sie hat zunehmend weniger Profil wie ein Sommerreifen.

Was in der derzeitigen Kuschelkoalition fehlt, sind echte Grabenkämpfe statt lediglich parteitaktischer Manöver, die auf Seiten der SPD auch nicht dazu führen werden, dass so einer wie Kurt Beck Bundeskanzler wird (ich hoffe, uns bleibt er auch als Kandidat dafür erspart). Wenn Horst Köhler noch leben sollte, dann könnten wir ihn wohlmöglich darum bitten, den Bundestag aufzulösen – einfach mal so aus Spaß und um zu kucken, was dann bei einer Neuwahl passiert. Eine große Koalition jedenfalls würde es nicht mehr geben.

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