Nicht wundern, wegschmeißen!

Nicht wundern, wegschmeißen!

Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber bei der Neuen Westfälischen wundert mich nicht mehr viel. Zum Glück trinke ich morgens in der Regel Tee, nicht Kaffee, den dieser wäre mir sonst heute hochgekommen bei der Schlagzeile:

Elterngeld lockt die Väter an den Herd

Was, bitte schön, soll das? Hier wird die Inanspruchnahme des Elternzeit bei Männern verbunden mit einem Klischee. Wer Kinder erzieht, dessen Blickfeld verengt sich auf Kinder, Küche, Kirche – so wird es im Subtext der Schlagzeile suggeriert. Unterschlagen dabei wird, dass sich Kindererziehung durchaus von der Hausarbeit und der Verpflegung mit genießbarem Essen trennen lässt. Ebenso soll es auch Männer geben, die ganz ohne Elterngeld zu Hause das Kochen übernommen haben.

Mit 50 Prozent weniger Polemik wäre es durchaus möglich gewesen, eine angemessener Schlagzeile zu verfassen, wie zum Beispiel:

Elterngeld fördert Gleichberechtigung

Aber wie wir vermuten, passt das Feingefühl einiger Redakteure gerade mal zwischen zwei Pizzaschachteln.

Aus dem Artikel beziehungsweise der dahinter liegender Pressemitteilung hätte man noch viel mehr machen können. In der NW wird nur gemeldet, dass das Elterngeld von Eltern in bildungsnahen Schichten besonders gut angenommen wird. Es fehlt hier die Information, warum dies so ist. Liegt es an der fehlenden Bildung? Oder aber daran, dass damit ein niedriges Einkommen verbunden ist, wo der Mann der Hauptverdiener ist? Letzteres wäre dann ein Fehler im System, über den grundsätzlich nachgedacht werden sollte.

One Reply to “Nicht wundern, wegschmeißen!”

  1. Ich teile Deine Meinung hinsichtlich des Elterngeldes.

    Aber was das Feingefühle der Redakteure anbelangt…. Absatzzahlen von Zeitungen und Zeitschriften lassen sich nur durch solcher „Reisser-Überschriften“ steuern und zwar nach oben. Das ist letztlich das Ziel eines jeden Zeitungsverlages. Moral und Feingefühl fehlen dort verdammt oft, leider!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren