Ein Mords-Kindheit

Gestern war wieder so ein Abend, bei dem DER CHEF und ich beim anfänglich unmotivierten zappen durch das Fernsehprogramm bei arte hängen geblieben sind. Uns fesselte die Dokumentation über ein russisches Kindergefängnis in Tscheljabinsk. Über hundert Kinder waren dort von der Gesellschaft weggesperrt, teilweise sogar wegen Mordes. Das Alter der Kinder reichte von elf bis sechzehn Jahren.

Die Bedingungen, unter denen die Kinder dort lebten, waren bedrückend. Auf der anderen Seite fehlten uns selber aber auch eine passende Antwort auf die Frage, was die beste Art und Weise im Umgang mit straffällig geworden Kindern ist – besonders dann, wenn die Kinder gemordet haben. Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass die Kinder von Beginn ihres Lebens keine Chance hatten. Aufgewachsen in nicht vorhandenen Familien, vom Vater zur Mutter verstoßen, von dieser zur Großmutter oder Tante – immer mit dem Gefühl, nirgendwo erwünscht zu sein. Die Städte und Dörfer, auf denen sie aufwuchsen, boten ihn keine Zukunftsperspektive, nichts, wofür es sich zu leben gelohnt hätte.

Dagegen war das Gefängnis trotz der Tatsache, dass die Kinder eingesperrt waren, ein Ort der so was wie inneren Frieden verschaffte. Sie bekam dort regelmäßig zu Essen, Kleidung und gingen zu Schule. Selbst für die Mörder gab es eine Perspektive, denn sie wurden nicht lebenslänglich verurteilt.

Nach dem wir diese Dokumentation gerade so verdaut hatten, folgten im Anschluss eine weitere, wieder über straffällige Kinder, diesmal in den USA. Wer immer auch Vorurteile gegenüber Russland hat und sehr skeptisch ist, was, die dortigen Gefängnisse für Kinder und Jugendliche angeht, der ist noch ohne Ahnung von den Zuständen in den USA. In vielen Bundesstaaten werden Kinder und Jugendliche für ihre Tat nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt – teilweise schon mit acht Jahren. Für die Beteiligung an einem Mord bekam eine 15-jährige 30 Jahre. In einigen Fällen wurden Kinder zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt, was in den USA tatsächlich auch lebenslänglich bedeutet.

Ganz anders als in Russland gibt es für diese Kinder und Jugendliche keine Hoffnung, keine Perspektive. Gewalt in den Gefängnissen ist an der Tagesordnung, Unterricht oder Bildung, so wie in russischen Gefängnissen, gibt es nicht.

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