Gedanken zum Valentinstag

Gedanken zum Valentinstag

Der Valentin, der Valentin
Verbrannt mit 20 Liter Kerosin

Zugegeben, die obigen Zeilen sind doch etwas heftig für den heutigen Tag, den Tag der Liebe, der Verliebten. Aber andererseits, wenn wir mal ehrlich sind: Wozu überhaupt ein solcher Tag? Reicht es denn aus, seine Liebe an einem einzigen Tag zu zeigen? Konzentriert, damit es für das ganze restliche Jahr reicht. Das wäre dann ähnlich wie bei Muttertag. Dort wird dann die Dankbarkeit an einem Tag zum Ausdruck gebracht und dann muss es für die restliche 355 Tage im Jahr auch gut sein.

Ist es nicht vielmehr so, dass der, der liebt, dies auch an anderen Tagen tut und auch anders als mit (teuren) Geschenken an einem Tag, seiner/seinem Liebsten zeigt? Dann wäre doch der Valentinstag ein Tag, der vor allem geprägt von Heuchelei, Verlogenheit und unromantischen Geschäftsinteressen geprägt ist. Wahre Liebe zeigt sich anders.

Genauso wie niemand automatisch Christ ist, der sonntags in dir Kirche geht. Christ ist, wer seinen Glauben täglich lebt. Mit dieser uneleganten Überleitung kommen wir dann zum nächsten, wichtigen Thema dieser Woche. In der Öffentlichkeit, ja sogar in deutschen Blogspähre, ist in diesen Tagen viel zu vernehmen zum Thema Brigitte Mohnhaupt, die sagen wir mal, ehemaligen RAF-Terroristin, die aus der Haft entlassen wird.

Sehr deutlich erkennbar ist eine Linie in der Diskussion, die aufteilt in Menschen, die noch auf das archaische Prinzip der Rache schwören und solchen, die sich hinentwickelt haben zu dem auch im Christentum verwurzelten Prinzip der Gnade. Mit der Freilassung zeigt der deutsche Statt, dass er deutlich reifer ist als die Terroristen und beweist letztendlich damit auch seinen Wert. Von Frau Mohnhaupt wird sicher keine Gefahr mehr für die Gesellschaft ausgehen. Sie nach Verbüßung (wenn denn so was wie Buße im Zusammenhang mit Mord überhaupt möglich ist) einer sehr hohen Haftstrafe in Freiheit zu entlassen, beweist, dass der Staat straft, aber nicht rächt.

Das sich gerade Politiker der CDU / CSU gegen die Entlassung von Mohnhaupt aussprechen, zeigt, dass es sich bei ihnen, trotz des C Im Parteinamen und dem, was dahinter stehen sollen nur Menschen sind, die wenn überhaupt aus kosmetischen Gründe einmal die Woche in die Kirche gehen.

Kommen wir zu den Angehörigen der Opfer der RAF. Für sie ist die Freilassung ohne Zweifel sehr schmerzhaft. Nicht nur, dass sie den Verlust eines ihnen nahe stehenden Menschen all die Jahre verkraften, verarbeiten mussten, nein die Freilassung reißt bei ihnen neue und alte Wunden auf und verlangt von ihnen etwas schier unmögliches: Vergebung.

Schnell steht dann die Frage im Raum, ob so etwas wie Vergebung überhaupt ohne sichtliche Reue möglich ist. Für eine mögliche Antwort wiederholen wir doch noch einmal die bisher gefallenen Begriffe: Liebe, Gnade, Vergebung Gehören sie nicht irgendwie zusammen? Wer im in der Schule im Religionsunterricht zumindest etwas aufgepasst hat, wird es wissen.

Liebe ist nicht nur dass, was an Valentinstag angeblich zum Ausdruck gebracht werden soll. Wahre Liebe geht weit darüber hinaus und umfasst auch die Nächstenliebe. Die Freilassung von Brigitte Mohnhaupt ist auch ein Akt der Nächstenliebe, des Triumphes der Vergebung über den Schrecken. Das Gebot „wenn dich jemand auf die linke Wange schlägt, so halte ihm auch die andere hin” sollte sicher nicht in der Form für den Staat gelten, dem es obliegt, seine Bürger zu schützen. Wohlaber sollte es möglich sein, dass der Staat vergibt, nach 24 Jahren Haft, trotz oder gerade am Valentinstag.

One Reply to “Gedanken zum Valentinstag”

  1. Die schwierige Aufgabe des Vergebens: Der Imperativ nützt bekannlich nichts. Vor dem Verständnis für den Täter muss ich vor allem Verständnis für für die eigene Verletztheit und meine teils unschönen Reaktionen haben, und es braucht Menschen, die dieses Verständnis teilen. Dann erst,wenn nichts mehr verdrängt und verleugnet werden muss, ist es möglich zur eigenen Verletztheit Distanz zu nehmen, und viel später taucht die Möglichkeit der Vergebung auf. Das ist ein langer Prozess, umso länger, je älter die Wunden und je härter die Narben sind. Voraussetzung wäre eine Kultur der Offenheit und der Teilnahme, die dann auch Kultur der Versöhnung werden könnte. Versöhnung als Lohn nach langwieriger Arbeit, ein Geschenk vor allem für den Verzeihenden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren