Ethik des Wegschauens

In Artikel eins unseres Grundgesetztes heißt es:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Unabhängig davon, wie die eigene Einstellung zur Todesstrafe aussieht: der letzte Rest an Würde für die verbleibende Minuten auf Erden sollte niemanden genommen werden. Wenn zum an sich schon barbarischen Akt der Hinrichtung die Verhöhnung des Opfers dazukommt, dann scheint auch der letzte Rest an Würde sich verflüchtigt zu haben.

Das sich derzeit weltweit über das Video, welches die Hinrichtung von Saddam Hussein zeigt, empört wird, ist nicht nur verständlich, sondern geradezu geboten. Umso unverständlich ist daher das, was die Neue Westfälische aus Bielefeld dazu schreibt:

Wer sich bei uns über die im Netzt zu sehenden Videos entsetzt, muss sich fragen lassen, wer ihn zum Ansehen der Hinrichtung zwingt? Wir haben nicht in der Hand, was geschieht, aber wir können sehr wohl entscheiden, was wir vom Medienangebot konsumieren.

Der Kommentar bereitet einer Ethik des Wegschauens den Weg. Was ich nicht sehe, das passiert auch nicht. Wenn ich nicht sehe, wie unwürdig ein Mensch vor seinem Tod behandelt wird, dann gibt es auch keinen Grund, sich darüber zu empören.

Um eins klarzustellen: Nicht jeder, der sich über das Video empört, muss dies auch gesehen haben. Und es steht uns auch frei, das, was angeboten wird, zu kritisieren. Sonst könnte hinterher noch behauptet werden, durch unserer Schweigen hätten wird das Vorhandensein geduldet, wenn nicht sogar befürwortet.

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