B-Seite

B-Seite

Während einer meiner fast täglichen Fahrten nach Essen traf mich die Erkenntnis wie ein Blitzschlag des Herren – na gut, dass war jetzt alles gelogen, denn eigentlich kam ich erst heute morgen beim duschen ins Grübeln. Was, wenn Angela Merkel tatsächlich nicht mehr Bundeskanzlerin ist?

Sicher, es mag mühselig erscheinen, über Dinge zu spekulierten, die frühsten nach nächsten Bundestagswahl aktuell werden könnten. Dennoch sollte die „Was währe wenn”-Frage erlaubt. Als notorischer Langspielplattenverweigerer, Musikrüpel und Politbanause stelle ich mal die These in den Raum, dass die bisherige Politik von Frau Merkel der B-Seite einer LP gleicht. Wir bekommen nur die zweite Wahl der Lieder, die eigentlich schlechteren Stücke, zu hören. Die Melodie der Mehrwertsteuererhöhung wird ab dem 1. Januar noch so mancher morgens beim duschen pfeifen.

Womit wir dann wieder bei dem sind, was mir heute morgen durch den Kopf ging. Wenn Angela Merkel nun wirklich quasi die B-Seite darstellt, was kommt dann, wenn die Platte gewechselt wird? Drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl. Entweder wird alles besser, alles bleibt so, wie es ist oder aber der ganze Laden verschwindet endgültig im Duschabfluss.

Ich fürchte, dass letzteres mit zunehmender Regierungsdauer der großen Koalition immer wahrscheinlicher wird. Wichtige Reformen werden nicht oder nicht richtig angegangen, grundlegende gesellschaftliche Probleme bleiben ungelöst. Zudem fehlt ein klarer politischer Kurs. Angela Merkel fehlt an Profil (was allerdings ausschließt, dass sie die B-Seite einer LP ist, denn die hat zumindest eine Rille).

In der Süddeutschen Zeitung konnte ich heute lesen, dass Merkel den SPD-Vorschlag für höhere Löhne aufgreift und befürwortet. Zuletzt war von ihr zu hören, dass sie die ihr eigentlich unliebsame Position von Jürgen Rüttgers (CDU Ministerpräsident in NRW) verteidigt hat. Steht also Merkel für ein sozialeres (Kaum einer mag wohl hier sagen sozialistisches, auch wenn das – aber lassen wird das. Wir wollen der Frau Merkel ja nichts unterstellen.) Gesicht der CDU?

Wohl kaum. Es ist wohl eher so, dass sie verzweifelt versucht, sich Mehrheiten zu sichern, auch wenn dabei ihre Glaubwürdigkeit (falls sie denn solche besessen hat) vor die Hunde geht. Zurück bleibt verbrannte Erde, bzw. eine verdreckte Dusche, vor der sich andere ekeln.

Wer immer auch auf Angela Merkel im Amt folgt, er wird es nicht einfach haben. Nicht nur weil er erstmal die Dusche wieder sauber machen muss, sondern weil auch der Gestaltungsspielraum kleiner geworden sein wird. Eins noch sei uns aber zum Trost gesagt: bei einem Wechsel gibt es wenigsten frische Handtücher.

4 Replies to “B-Seite”

  1. langspielplattenverweigerer stimmt wohl ! wenn du dir mal die mühe machen würdest, dir die b – seiten der stones DOPPEL-LP „exile on main street“ anzuhören, wüßtest du ( als Stones fan :-) ), daß deine aussage bezüglich der b-seiten voll daneben liegt. gleiches gilt wohl auch für frau merkel. bei ihr muss man zwar zugegebener maßen die a-seite nicht lieben, aber man kann die b-seite ja mal zu schätzen versuchen. denn eines liegt auf der hand – sie versucht wenigstens den rot-grünen mist aus der dusche wegzumachen; leider stolpert sie gelegentlich über die seifenreste ….

  2. guter gedanke, aber joerg hat irgendwie recht .. ich selbst bin ein großer fan von b-seiten, meistens finde ich diese sogar noch sehr viel besser (selbst wenn ich nicht mit der LP-generation aufgewachsen bin, und ich diesen begriff eigentlich nur von non-album tracks kenne. und der beatsteaks dvd natürlich!). ob meine vorliebe für b-seiten auch bei frau merkel zutrifft, sei jetzt mal dahin gestellt ..

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren