Braune Blogs

Es hat mich sehr viel Mühe gekostet, mir ein gewisses Maß an Dickfelligkeit anzueignen, bestimmten Dingen gegenüber gelassener zu werden. Mitunter passierte es aber dennoch, dass ich einfach sehr zornig werde und mich über bestimmte Menschen maßlos aufrege.

Gestern war so ein Moment, wo ich voller Unglauben über das, was ich da sah, auf den Bildschirm starrte. In der Rubrik „Frisch gebloggt” bei WordPress.de befand sich ein Link auf die Seiten der DVU-Landtagsfraktion Brandenburg. So was lässt meinen Puls sehr viel schneller schlagen als sonst, da ich so was für einfach nur daneben halte. Sicher, es lässt sich bequem über Meinungsfreiheit oder auch eingeschränkte technische Möglichkeiten reden.

Ich für meinen Teil halte es aber nicht für verantwortlich, sich einfach mit Verweis auf eine neutrale Position herauszureden, wie es gerade im Forum von WordPress.de passiert. Mit meiner Meinung stehe ich da so ziemlich allein.

Zu aufwändig sei das Filtern, wird dort angeführt. Im Umgang mit der rechtsextremen Szene kann es meiner Meinung nach keine neutrale Position geben. Es ist auch pervers, sich immer wieder das Recht auf freie Meinungsäußerung in diesem Zusammenhang zu zitieren.

Sätze wie

Solange etwas nicht verboten wird, ist es erlaubt.

zeigen mir, dass ethisches Handeln und Denken wohl weiterhin Wunschdenken bleibt. Denn es mag zwar sein, dass alles, was möglicherweise nicht explizit verboten ist, vom rechtlichen Standpunkt erlaubt ist – verwerflich kann es trotzdem sein. Oder, um ein aktuelles Beispiel anzuführen: Folter in einem gewissen Rahmen durch die Geheimdienste ist in den USA legal – verwerflich ist sie trotzdem.

Für mich sind diverse Errungenschaften unserer Zivilisation nicht verhandelbar. Wer schon etwas länger in diesem Blog liest, müsste zudem wissen, dass mir das deutsche Grundgesetz sehr am Herzen liegt.

Der erste Paragraph gehört in einer Aussagekraft zu den wundervollsten Sätzen überhaupt:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Wer aus welchen Gründen auch immer einer Partei Raum bietet, die diesen Paragraphen missachtet, verspottet und durch Taten und Worte mit Füßen tritt, mit dem möchte ich mich nicht gemein machen.

Daher werde ich, wie bereits heute Nacht im Forum geschrieben, mein Engagement in dem Forum noch mal überdenken. Aus der Blogmap dort werde ich mich austragen, denn allein der Gedanke, dass mein Blog per Zufall unter oder über dem DVU-Blog gelistet wird, ist für mich unerträglich.

Sicher mag es die eine oder den anderen geben, der das für übertrieben hält. Was aber wäre die Alternative? Den Zustand so wie er ist einfach hinnehmen? Niemals! Weiter im Forum dagegen kämpfen? Hat wohl keinen Zweck, da ich mit meiner Haltung ganz alleine dastehe.

Wer auf Meinungsfreiheit pocht, sich auf eine neutrale Position beruft, der hat meiner Meinung nach noch nie Menschen aus anderen Ländern, die in der Hoffnung auf Asyl nach Deutschland geflohen sind, ins Gesicht geschaut, ihre Augen gesehen, nach dem ihnen von einem rechten Mob das Haus abgefackelt wurde.

Der hat nie den Brandgeruch in der Nase gehabt, der hat nicht mit diesen aufs Äußerste verängstigten Menschen gesprochen.

Der musste nicht erleben, mit welcher Gleichgültigkeit andere Menschen an den Opfern vorbeigehen, ja sogar mit den Tätern heimlich oder offen sympathisieren.

Ich kann und will das nicht hinnehmen. Auch unabhängig von der deutschen Geschichte gibt es eine Verpflichtung meiner Meinung nach, sich der Menschenverachtung entschieden entgegenzustellen.

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