Arbeitslos, Hoffnungslos

Aus den vergangene Monaten habe ich vor allem eins gelernt. In der heutigen Zeit ist es enorm schwierig geworden, einen Arbeitsplatz zu finden – zumal dann, wenn Wissen zwar im Kopf ist, aber nicht auf einem dusseligen Stück Papier bescheinigt wird.

An mir selber konnte ich sehen, dass Arbeitslosigkeit eine Spirale nach unten ist. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto stärker verschlechtern sich die Chancen, wieder einen Job zu finden. Hinzu kommen finanzielle Sorgen, Depressionen und die soziale Stigmatisierung.

Ich kann gut verstehen, warum sich von Arbeitslosigkeit Betroffene immer weiter zurückziehen, sich nur noch nach minutenlangem hören an der Wohnungstür aus ihrem Schneckenhaus trauen, weil sie im Treppenhaus keinem Nachbarn begegnen möchten.

Bei den Erfahrungen mit der Agentur für Arbeit muss ich wohl auch ein neues Kapitel anfügen. Bisher waren diese durchaus sehr negativ geprägt und ich hatte immer wieder den Eindruck, dass die Angestellten dort sich vor allem anstellen – wenn sie sich denn überhaupt um einen kümmern.

Es sah so aus, als ob der Hauptzweck der Agentur der wäre, Kunden zu verwalten und dabei möglichst wirtschaftlich zu sein. Letztendlich macht das fast jede normale Firma so, nur dass auf dem freien Markt Firmen daran interessiert sind, Kunden zu halten, während die Agentur Kunden loswerden will. Und los wird die Agentur die Kunden in der Regel automatisch, denn nach Ablauf von zwölf Monaten hat die jeweilige Stadt die Ex-Kunden als Harz-IV-Empfänger am Hals.

Diesem sehr persönlich und mitunter auch stark pauschalisierenden Eindruck muss ich nun durch positive Erfahrungen ergänzen. Meine neue Beraterin ist ein Mensch, der Kunden vor allem als Menschen sieht und nicht als Verwaltungsaufwand. Sie ist jemand, die auch tatsächlich Menschen berät, ihnen hilft. Ein sehr angenehmer Unterschied, wenn ich das mit meinem ersten Berater vergleiche.

Als jemand, der ab Oktober wieder zur arbeitenden Bevölkerung gehört, werde ich mich bemühen, nicht zu vergessen. Nicht zu vergessen, wer mir geholfen hat in der schweren Zeit, aber auch wer nicht. Meine Großmutter pflegte früher zu sagen

Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot.

Das kann ich nur bestätigen.

Vergessen will ich auch nicht, was die Arbeitslosigkeit aus Menschen macht. Wie Energie und Hoffung Stück für Stück aus einem rauslaufen. Wie das Leben immer weiter einem sich verengenden Tunnel gleicht, an dessen Ende kein Licht zu sein scheint.

Sehr großen Respekt habe ich vor Langzeitarbeitslosen, für die diese bedrückenden Situation zum Dauerzustand geworden ist. Ich ganz persönlich werde nie, niemals von Drückebergern oder Faulpelzen reden, die anderen Leuten auf der Tasche liegen. Ich kann gut verstehen, das jemand irgendwann einfach resigniert, aufgibt, sich aufgibt und eine passive Haltung an den Tag legt. Das macht die Situation nicht besser, aber es ist mitunter ein Schutz, der das Überleben ermöglich, wenn keine Hoffnung mehr erkennbar ist.

Sicher, es gibt immer Menschen, die sich selbst aus dem Sumpf des Elends herausziehen. Dazu gehört aber viel Kraft. Wem die Kraft und die Unterstützung fehlt, der wird jedoch in dem Sumpf untergehen.

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