Am Stammtisch zu Haus

Wenn aus meiner Blogrolle ein Link rausgeflogen ist, dann lag es meistens daran, daß ich den betreffenden Blog nicht mehr gelesen habe oder ihn wenig interessant fand. Darüber geschrieben habe ich eigentlich nie. Die Lücke wurde stets kommentarlos wieder geschlossen. Bisher bin ich noch nie in die Situation gekommen, einen Link rauszuwerfen, weil mir der Kragen geplatzt ist. Wir haben also heute so was wie eine Premiere. Wobei das, worum es geht, wenig Anlass zum feiern gibt.

In den letzten Monaten ist mir immer wieder mal Der Shopblogger negativ aufgefallen. Sei es, weil er Kunden unter Generalverdacht gestellt eine fragliche Einstellungen über den Beginn der tatsächlichen Arbeitszeit oder eine mehr als unglückliche Wortwahl im Zusammenhang mit Ladendieben verwendet hat.

Auch wenn es manchmal schwer zu glauben ist, bin ich doch ein toleranter Mensch. Nur wegen eines, vielleicht von mir falsch verstandenen Artikels, würde ich keinen Blog-Link in die Wüste schicken. Viele solcher Artikel aber sind wie Tropfen, die ein Fass füllen. Irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem es zwangsläufig überläuft. Gestern war dieser Zeitpunkt erreicht.

In einer Serie von Artikeln – Soooooooo’n Hals 1, 2 und 3 – schrieb sich der Shopblogger seinen Frust von der Seele. Dagegen ist nichts zu sagen. Er hat auch mein vollstes Verständnis in der Sache. Wohlgemerkt, in der Sache. Nicht aber in der Art und Weise, wie er darüber geschrieben hat.

Wie es so schön heißt, macht der Ton die Musik. Diese Musik hört sich für meine Ohren wie Marschmusik an, die im Stechschritt gefährlich nah an den rechtspopulistischen Rand führt. Oft reicht ein Wort an der falschen Stelle aus, um bei genaurem Lesen einem Artikel eine ganz andere Richtung zu geben (vgl. auch Alltäglicher Rassismus) .

Im ersten Teil der Serie vom Shopblogger fiel direkt am Anfang der Begriff –ausländischen Kundin„. Wie sollte es auch anders dann kommen, es ging natürlich um Ladendiebstahl. Welches Leserklientel damit bedient wird, lässt sich sehr schön in den Kommentaren dazu verfolgen. Es wird zum Teil förmlich darauf gewartet, daß jemand sich zu Recht an er Betonung, es habe sich um eine ausländische Kundin gehandelt, stößt, um über ihn herzufallen.

Das nächste Klischee wird dann im zweiten Teil bedient. Da geht es um eine junge Referendarin, die um eine Lebensmittelspende für ein Schulprojekt bittet. Auch hier wieder liegt Björn Harste richtig im Grundtenor. Ein Supermarkt ist keine Wohlfahrtsverband und niemand, der bereit ist, die Hälfte zu spenden, wenn der andere Teil bezahlt wird, lässt sich gerne für dumm verkaufen. Wieder sind es die feinen Untertöne, die dem Text eine entsprechende Richtung geben und Kommentare wie diesen

Hmm, ja, die ganzen Ökos waren mir auch schon immer suspekt. Umklammern sterbende Bäume, aber haben keine Ahnung von Wirtschaft. Das Resultat sieht man an Ökosteuer und Dosenpfand.

geradezu herausfordert. Gut, damit lässt sich noch leben und darüber kann gestritten werden. Spätestens aber mit diesen beiden ist eindeutig eine Grenze überschritten worden:

Alle Referendarinnen haben Doppelnachnamen, rasieren sich nie die Beine und schielen.

Neee, da verdrehst du was. Mit den Beinen hast du natürlich recht, aber die klassische Referendarin trägt ohnehin nur Hosen. Der Doppelnamen allerdings kommt frühstens mit der Heirat (wahrscheinlicher aber mit der Scheidung) und die Heirat findet niemals vor dem 30. Lebensjahr statt. Da die meisten Referendarinnen noch keine 30 sind, haben sie also zu diesem Zeitpunkt noch keinen Doppelnamen.

Schön, dass ich bei der Aufklärung dieser Frage behilflich sein konnte. Ob es einen Zusammenhang zwischen Scheidung und unrasierten Beinen gibt kann ich allerdings noch nicht sagen, da die mir bekannten Referendarinnen noch nicht in der Scheidungsphase sind.

Es ist kaum vorstellbar, daß sich einer, der solches in einen öffentlichen Blog mit sehr hoher Leserzahl, reinschreibt, Gedanken über die Tragweite seiner Äußerung macht. Ich kann nur hoffen, daß die Referendarin keinen Computer und auch nie auf die Seiten vom Shopblogger stößt. Ich an ihrer Stelle wäre zutiefst verletzt, wenn ich solches über mich lesen würde.

Die mögliche Ausrede, daß Herr Harste wohl nicht verantwortlich gemacht werden kann für die Kommentare zu seinen Artikeln, lasse ich hier nicht gelten. Es gibt, auch wenn das vielleicht nicht ganz so vielen bekannt sein sollte, eine moralische Verantwortung. Den juristischen Aspekt lasse ich bewusst außen vor, da er mir nur zweitrangig erscheint. Ich erwarte einfach von einem Blogger ein gewisses Maß an ethischer Verantwortung und Kenntnis darüber, welche Tragweite seine Äußerungen und die von ihm zugelassenen Kommentare habe.

Damit bin ich aber noch nicht am Ende meiner Betrachtungen, denn es gibt, wie einleitend erwähnt, der Teile drei. Kommen wir also zum letzten Artikel des Herrn Harste. Darin geht es um einen jungen Ladendieb, der in einer aufregend geschilderten Verfolgungsjagd fast zur Strecke gebracht wurde. Im letzte Absatz gibt es ein Fahndungsaufruf mit Personenbeschreibung. Abgesehen davon, daß so was eigentlich der Polizei überlassen bleiben sollte, bekleckert sich der Shopblogger auch mit folgender Aussage nicht mit Ruhm:

An den Armen hatte er Einstichlöcher, weshalb ich ihn für einen Drogenabhängigen halte. Er hat allerdings nicht das typisch eingefallene Gesicht.

Für mich war das der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Sollte ich Erlebnisberichte auf Stammtischniveau lesen wollen, würde ich mir die BILD kaufen. Ein Blog, der sogar unter dieses Niveau fällt, hat in meiner Blogrolle nichts verloren.

Das wird zwar Björn Harste wenig stören, aber mir geht es ein Stück besser damit, daß ich den Link auf ihn rausgeworfen und meinen Unmut von der Seele geschrieben habe. Vielleicht regt es auch den einen oder anderen meiner Leser mal dazu an, über den möglicherweise vorhandenen Link auf den Shopblogger in der eigenen Blogrolle nachzudenken.

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