Druckfrisches Altpapier

Eine Sache habe ich am Samstag doch glatt unterschlagen. Es lag keine Zeitung im Briefkasten. Bedingt durch den Feiertag waren das ganze drei Tage ohne Süddeutsche Zeitung. Sicher, es gibt das Internet. Das lässt sich aber nicht mit Marmeladenflecken und Kaffee bekleckern. Auch weigert sich mein Monitor, von mir auf ein frühstückstischtaugliches Format gefaltet zu werden.

Heute morgen waren dann zwei Ausgaben im Kasten. Die von heute und die alte Zeitung vom Wochenende. An einigen Stellen liege ich dadurch wohl ein paar Aufreger zurück und muß das Feld von hinten aufräumen. Wobei es ein Thema gegeben hat, was nach wie vor noch aktuell ist: Arbeit, Arbeitslosigkeit und Würde.

Im Wirtschaftsteil der SZ-Pfingstausgabe gibt es dazu einen Artikel von Sibylle Haas. Genau wie Volker Kauder, der, sollte er jemals arbeitslos sein, auch in einer Kneipe kellnern würde, definiert auch Frau Haas aus dem sicheren Sattel einer Anstellung heraus, was zumutbar sei. Für sie ist auch das Putzen von Schuhen eine würdevolle Arbeit, so wie im allgemeine jede Art von Tätigkeit würdevoll für jemanden sei, solange er dadurch Arbeit hat.

Vermeiden wir mal an dieser Stelle die Diskussion um das Prestige bestimmter Tätigkeiten. Wenden wir uns lieber der eigentlichen Kernaussage zu. Wenn jegliche Art von Arbeit den Menschen Würde gibt, dann bedeutet das nichts anders, als das ein Mensch ohne Arbeit keine Würde hat. Das ist fatalerweise immer noch die vorherrschende Meinung in Deutschland. Nur aus dieser Sichtweise heraus ist zu erklären, daß Menschen der Idee verfallen, eine Grundsicherung dürfte davon abhängig gemacht werden, ob jemand bereit ist zu arbeiten.

Wenn etwas den Menschen Würde geben kann, dann ist es ein an keine Bedingungen geknüpftes Grundeinkommen. Würde entsteht in erster Linie auch durch ein Leben frei von Existenzängsten. Solange Wörter wie Leistungsmissbrach durch die Diskussion geistern, kann kaum davon gesprochen werden, daß die Richtung der Arbeitsmarktreform richtig sei.

Deutschland braucht keinen, der für einen Hungerlohn anderen die Schuhe putzt. Was wir brauchen, sind Politiker mit Mut für eine radikalen Kurswechsel. Arbeitslose müssen nicht schärfer kontrolliert werden, sondern Politiker und Spitzenverdiener, die durch Steuerlücken ihre Schäfchen an dem Finanzämtern vorbei ins trockene Ausland bringen.

Die von der Bundesagentur für Arbeit vorgelegten Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache. In fünf Prozent aller Fälle würden Leistungen zu Unrecht bezogen. In der Summe ergibt das einen Betrag von 26 Millionen Euro. Das ist geradezu lächerlich wenig in Anbetracht der Tatsache, daß die Bundesregierung an anderen Stellen Gelder in Milliardenhöhe verschwendet.

Auf mindestens 700 Millionen Euro werden Kosten für das umstrittene Prestigeobjekt der Deutschen Bahn, der neue Bahnhof in Berlin, geschätzt. Viel Geld für den äußeren Schein. Um das wieder in die Steuerkasse rein zubekommen (denn die Bahn ist immer noch Staatseigentum), müssten die fast fünf Millionen Arbeitslosen eine Menge Schuhe putzen.

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