Besorgs mir, Google!

Als Paris Hilton aus dem Tokio Hotel kam – wobei der Satz zum Schutz Minderjähriger nicht verdreht werden sollte – hatte sie in ihrer Hand eine Freikarte für das WM 2006 Endspiel. Achtlos ging sie an einem verkrüppelten Hartz-IV Empfänger vorbei, der auf dem Bürgersteig saß und um einen Ein-Euro-Job bettelte, damit ihm nicht noch ein weiteres Bein gekürzt würde.

JJ1, daß neue Schoßtier von Paris, schnappte nach dem Mann, der sich nur dadurch retten konnte, daß er sich mit letzter Kraft vor eine vorbeifahrende Straßenbahn voller Maschinenbaustudenten aus Afrika warf. Paris winkte fröhlich, sprach einen Satz in ihr Handy-Diktiergerät und ging weiter.

Während ihre kurzen Besuches in Berlin wollte sie noch unbedingt einen kurzen Blick auf die Spree werfen. Zwei Straßen weiter wurde ihr aber der Weg durch eine grimmige Riesenmaschine versperrt. Der dahinter liegende Stadtteil war von verängstigten Schafen zur No-Go-Area für Hotelerbinnen und Bären erklärt worden. Enttäuscht machte sie kehrt und nahm einen Block weiter ein Taxi zum neuen Berliner Bahnhof.

Durch ihren nur hauchdünnen Rock spürte sie, daß etwas auf dem Sitz lag. Darauf angesprochen schaute der Taxifahrer sie an und erwiderte „Das ist mein Parteibuch.” Dann bog er links ab und hätte, abgelenkt durch die Sonnenbrille von Paris, fast Franz Müntefering überfahren. Der war in Gedanken versunken bei seiner Heuschreckensammlung, die er seiner neuen Freundin Angela zeigen wollte, als das Geräusch einer bis zum Anschlag getretenen Bremsen in zurück in die graue Realität holte.
„Is this not the Bundesarbeitsminister?”, rief Paris erschrocken aus, bevor es dunkel um sie wurde.

Die Sonne verschwand hinter Wolken. Einsetzender Dauerregen strapazierte die Geduld vieler Bundesbürger, als ausländische Fans den Slogan „Zu Gast bei Freunden” wörtlich nahmen und ihren nassen, kalt Sitz im Stadion gegen einen gemütlich Platz auf dem Sofa in Wohnung ihnen bisher unbekannter Familie eintauschten.

Alles weitere verschwand in den Tiefen des Netzes, als einen Putzfrau den Stecker des Servers herauszog, weil sie die Anschlussdose für das Staubsaugerkabel benötigte. Bei Google gingen die Lichter. Viele bleichgesichtige Dauersurfer erblickten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder echtes Tageslicht. Obwohl keiner sich dafür später jemals bei der Putzfrau erkenntlich zeigte, konnte diese pünktlich mit 78 Jahren in Rente gehen und noch zwei glückliche Tage von ihrem Ersparten leben.

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