Kirche und Demokratie

Post vom Bevollmächtigten-Ausschuss an die liebe Gemeinde. Ein zweiseitiger Brief, in dem der Beschluss mitgeteilt wurde, daß der Verkauf der Paul-Gerhard-Kirche vollzogen wird – obwohl sich eine Mehrheit der Gemeindeversammlung dagegen ausgesprochen hat. So ist das mit der Demokratie. Im Zweifel ein nettes Märchen, das die Konfirmanden zu hören bekommen.

Das schlimmste an dem Brief ist, daß er in aller Deutlichkeit die Kommunikationsunfähigkeit des so genannten Bevollmächtigten-Auschusses zeigt. Pastor Alfred Menzel greift zu einer Wortwahl und zu einem Satzbau, der deutlich signalisiert: Hier will niemand für Vertrauen und Verständnis werben, hier wird von oben, von der sprichwörtlichen Kanzel verkündigt. Die Gemeinde hat dabei zu schweigen und ihrem Hirten zu folgen.

Unverhohlen wird auch der Gemeinde und denn Anwohner gedroht. Der jetzige Zeitpunkt des Verkaufes sei deshalb so gut, weil mit dem Kaufinteressenten (eine Jüdische Gemeinde) die Kirche als Ort des religiösen Lebens erhalten bleibt. Im Klartext heißt das, wenn jetzt nicht verkauft wird, kann aus der Kirche auch ein Supermarkt oder eine Diskothek werden.

Mich entsetzt, auf welche Art und Weise hier die Interessen der Gemeindemitglieder ignoriert werden. Bisher hatte ich solches Verhalten eher bei der katholischen Kirche vermutet. Eine herbe, unverschämte Ohrfeige ist der Schluss des mich, und sicher auch andere, sehr aufwühlenden Briefes. Er endet mit der Bitte um Gottes Geleit und Segen. Eine miese Tour. Für mich stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, sich Ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren und zu prüfen, mit welchem Mitteln solchem Verhalten Einhalt geboten werden kann. Ein Pastor, der in solcher Weise die Gemeinde spaltet statt eint, ist meiner Meinung nach nicht tragbar.

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