Weiblicher Kadavergehorsam

In einer seltsamen Form von Wirklichkeitsverdrehung wandelt sich Alice Schwarzer von einer Feministen zur Erfüllungsgehilfin von Frau Merkel. Es ist äußerst schwer nachzuvollziehen, warum sie immer wieder Partei für Angela Merkel ergreift und sich auch nicht zu schade dafür ist, auf unzutreffende Klischees aus der Kiste zu holen um daraus eine Beweisführung zu konstruieren, nach der Merkel nur deshalb abgelehnt wird, weil sie „Frau und Ossi” ist.

Geradezu pathologisch ist die folgende Behauptung von Frau Schwarzer:

„Auch so manche Wählerin begriff zu spät, dass es hier leider eben nicht nur um Inhalte ging, sondern auch um das Geschlecht der Kandidatin.”

Es sollte bedacht werden, daß keine Frau und auch kein Mann so dumm sind, eine Frau zu wählen weil sie eine Frau ist – oder sie eben deshalb nicht zu wählen. Angela Merkel wurde von der Mehrheit der Wählerinnen nicht gewählt, weil sie für eine Politik der sozialen Kälte steht.Die ganze Aufrechung, wie viel Frauen Merkel, wie viele vor vier Jahren Stoiber und wie viele Schröder gewählt haben ist vor allem eins: sinnlos. Mich stimmt es außerordentlich traurig, daß Alice Schwarzer so sehr die angebliche Frauendiskriminierung Im Fall Merkel betont. Bisher hatte ich sehr viel von Frau Schwarzer gehalten, ihre feministischen Thesen haben mich stets zum nachdenken verleitet und verhindert, daß ich in das vorgelebte Rollenklische reingerutscht bin.

Kein Wort verliert Frau Schwarzer über die Politik, für die Merkel steht. Dabei wäre gerade das eine Auseinandersetzung wert, denn nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland hat die Armut ein weibliches Gesicht. Das wird sich in Zukunft unter einer Kanzlerin Merkel nicht ändern, sondern noch verschärfen, denn für eine Politik, die zum Beispiel Alleinerziehende Mütter unterstützt, steht Merkel nicht.Auch wird die künftige Politik der starken Einschnitte vor allem Frauen treffen. Auch darüber verliert Alice Schwarzer kein Wort.

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