Erna ist krank

Ich bin bisher eigentlich immer davon ausgegangen, das einer der Unterschiede von Diktatur und Demokratie der ist, dass man in einer Demokratie die Freiheit hat zur Wahl zu gehen oder eben nicht zur Wahl zu gehen. Gerade junge Menschen machen in Deutschland von diesem Recht gebrauch, da sie nachvollziehbar empfinden, dass sie keine echte Wahlmöglichkeiten haben. Wenn der Eindruck entsteht, dass zwei Kreuze nur über unterschiedliche Gesichter entscheiden, die inhaltlichen Grausamkeiten aber nicht unterscheidbar voneinander entfernt sind, dann kann tatsächlich der Eindruck entstehen, dass es eher eine Wahl zwischen “Pest” und “Cholera” ist als zwischen zwei völlig verschiedenen Produkten. Möglicherweise gehört diese Verwechselbarkeit zu den Wesensmerkmalen unserer “Volksparteien”.

Aus meiner eigenen Biographie erwächst schon eine gewisses Verständnis für Menschen, die sich im Wahlkampf für “ihre” Partei so richtig ins Zeug legen. Ein Grundproblem scheint aber zu sein, dass man vor lauter Eifer das Zuhören vergisst. Ausgestattet mit Scheuklappen ist man blind für andere Positionen. Was zählt ist die eigene Meinung und das Gefühl, dass als Einziger im Besitz der Wahrheit zu sein. Droht irgendetwas die eigene Sicht der Dinge zu erschüttern, wird solange mit Kanonen auf Spatzen geschossen, bis nur noch eine unbewohnbare Meinungswüste überbleibt.
Leider wird viel zu selten gesehen, dass gerade dieses Verhalten, dieses Grundübel moderner politischer Auseinandersetzung das ist, was Menschen abschreckt. Es könnte soviel bewegt werden, wenn man auf seinen vermeintlich Gegner eingeht, ihm zuhört und zumindest versucht, seine Position zu verstehen. Das ist zwar auf den ersten Blick nicht so medienwirksam, auf lange Sicht hin deutlich besser für das Allgemeinwohl.

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