Schleichwerbung

Schleichwerbung

Im Unterschied zur ARD könnte ich ohne Bedenken in meinen Einträgen für diverse Produkte werben. Im Gegensatz zur Schleichwerbung im Fernsehen würde ich dafür allerdings nichts bekommen. Keinen Ärger, aber auch kein Geld.

Was das Thema interessant für mich macht, ist das Nachdenken darüber, ob generell in Filmen die Produkte wahrgenommen werden. Bei einigen Kinofilmen fällt mir schon auf, wenn dort Computer von Apple oder auch ein iPod (Blade III) gezeigt werden. Auch bei Coca Cola ist es sehr auffällig, wenn die Flasche oder der Schriftzug im Film zu sehen ist. Bei den meisten anderen Produkten ist mir das bisher aber nicht aufgefallen – was vielleicht auch daran liegen kann, dass ich die falschen Filme und so gut wie gar keine Serien im Fernsehen schaue.

Wenn aber in den Filmen und Serien im Fernsehen keine Produkte vorkommen, die man aus seinem Alltag kennt, könnte es dann nicht sein, das gerade das dazu beiträgt, die dort gezeigte Wirklichkeit unwirklich erscheinen zu lassen? Oder sind es im Gegenteil Details, die nicht wichtig für unsere Wahrnehmung sind? In vielen Krimis wird Kaffee getrunken, aber es wird nie gezeigt, das sich der Ermittler mal seinen Kaffee macht. Denn dann müsste man die Kaffeemaschine zeigen, die Verpackung von den Filtertüten und das Kaffeemehl. Oder aber den Ausschnitt so wählen, das man nur sieht, wie ein Löffel voller Pulver von oben in eine Filtertüte geschüttet wird.

Je länger ich darüber nachdenke, desto steriler erscheint mir die Welt im Fernsehen. Im Alltag bin ich ständig von Marken umgeben. Fast jedes Produkt hat einen Hersteller, der seinen Namen oder den Namen der Marke auch auf dem Produkt anbringt. Das Leben mit den Marken ist ein Teil der Lebenswirklichkeit. Wenn man diesen Teil ausblendet, schafft man sicherlich Zonen, die frei von Schleichwerbung sind (oder eben nicht, so wie im „Marienhof“). Gleichzeitig wird das Gezeigte dadurch ein Stück unwirklicher. Es entsteht eine Illusion, die dann um so härter durchbrochen wird, wenn dann tatsächlich mal heimlich für ein Produkt geworben wird. Letztendlich würde das bedeuten, das Schleichwerbung nackt ohne das Verb schleichen daherkommt und eigentlich sehr auffällig ist.

Wenn die Verantwortlichen bei der ARD dann erst so spät von den Vorfällen erfahren haben wollen, dann liegt das entweder daran, dass sie sich ihre eigenen Filme und Serien nicht ansehen oder tatsächlich die sprichwörtlichen Tomaten auf den Augen haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren