Beate, ohne und Weihnachten – Teil V

Weitere Stunden der Einsamkeit zogen herauf. Hörbar langsam sog er die Luft ein. Ein Geschmack von toter Zeit lag auf seiner Zunge. Bei all den zukünftigen Unsicherheiten war vermutlich nur eins sicher. Beate würde nicht zurück kommen. Nutzlos und überflüssig kam er sich vor. Gebracht und weggelegt wie eine alte Tageszeitung. Nachdem er seinen Job verloren und Beate eine gute bezahlte Stelle gefunden hatte, war er wohl in ihren Augen zu nutzlosem Ballast verkommen. Die Kollegen von Beate hatte er nie kennen gelernt. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Wo sie jetzt genau war, konnte er nur vermuten. Die Einsamkeit sog ihn langsam auf wie ein schwarzes Loch. Im Treppenhaus hörte er, wie sich die fett geschminkte Weihnachtskugel mit einer Karikatur von Hund auf den Weg nach draußen machte, damit dass Vieh wieder die Gärten in der Nachbarschaft vollkacken konnte. Erst vor ein paar Monaten sie in die Wohnung gegenüber eingezogen. Von ein paar Begegnungen auf dem Flur wusste er, das der Köter Diabetes hatte. Tröstlich erschien ihm für einen kurzen Moment der Gedanke, dass der Hund es wohl wittern würde, wenn er so langsam in seiner Wohnung verwesen würde. Um von seinen Gedanken nicht noch weiter in die Tiefe gezogen zu werden, brauchte er unbedingt eine Ablenkung. Die Idee, aus dem Telefonbuch wahllos Nummern anzurufen, verwarf er nach längerer Überlegung wieder.

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