Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Guter Journalismus ist mehr als nur dabei sein. Er besteht aus Einordnen und Abwägen.

Blick durch die Brille

Journalismus gibt es in sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Wirklich guten Journalismus genieße ich seit über 35 Jahren als Leser und Abonnent der Süddeutschen Zeitung. Die SZ hat mich geprägt, meinen Horizont erweitert und sich auch auf meine Wertevorstellungen ausgewirkt. Schreiben hat Einfluss auf diejenigen, die lesen.

Wer schreibt, will etwas bewirken. Selbst wer nur informieren will, bewirkt etwas durch die Auswahl dessen, worüber er schreibt. Guter Journalismus ist dabei um Ausgewogenheit bemüht. Schlecht ist es, wenn die eigenen Emotionen überhandnehmen und man einen Tunnelblick bekommt.

Ein Beispiel: Als ich 1988 für die Schülerzeitung „Klar doch!“ einen Artikel über eine Veranstaltung vom WWF schrieb, hängte ich alles an der Fernsehmoderatorin auf, die durchs Programm führte. Sie kam in einem Pelzmantel angereist, was für mich ein rotes Tuch war. Entsprechend nahm mein Artikel eine Richtung und Färbung an, bei der das eigentliche Programm der Veranstaltung hintenüberfiel.

Wäre ich meiner damaligen Neigung nachgegangen und hätte Journalismus studiert, wären meine Texte möglicherweise mit der Zeit besser geworden. Leider gibt es aber auch Beispiele dafür, dass dies nicht zwangsläufig so sein muss. Manche laufen im Studium einfach nur mit nach dem Motto „Dabei sein ist alles“. Mit dieser Haltung landet man dann nicht bei der Süddeutschen Zeitung, sondern bei irgendeinem Provinzblatt.

Vorurteile bleiben dabei

Über die NWZ-Redakteurin Elisabeth Ahrends möchte ich mir kein Urteil erlauben – obwohl sie sich ein ziemlich unpassendes Urteil in der Emder Zeitung über die SPD in Emden herausnimmt. Unter der Überschrift „Emdens SPD trägt sich selbst zu Grabe“ kommentiert sie eine demokratische Entscheidung des Unterbezirksparteitags am 22. November. Auf dem Parteitag wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Umwandlung der Oberschule Herrentor in eine Realschule zu stoppen, obwohl sich die eigene Fraktion bereits dafür ausgesprochen hatte.

Für den Stopp der Umwandlung gibt es eine ganze Reihe guter Gründe, denen sich Frau Ahrends leider komplett verschließt. Ja, vielleicht wirkt es wie eine Rolle rückwärts, und ja, wir Genossen haben auch intensiv und kontrovers diskutiert. Das ist aber Teil der demokratischen Kultur. Das ist kein Trauerspiel, sondern ein wichtiger Bestandteil, um einen Konsens zu finden.

Noch wichtiger ist es, nie aus den Augen zu verlieren, was für die Schülerinnen und Schüler das Beste ist. Auch das nicht, was unseren sozialdemokratischen Werten entspricht. Wir Sozialdemokraten haben uns gegen viele Widerstände dafür ausgesprochen, die IGS als Schulform für alle Kinder zu etablieren. Wenn das manchmal aufgrund kommunalpolitischer Gegebenheiten aus dem Fokus gerät, muss man umso deutlicher darauf hinweisen.

Und ganz ehrlich: Wenn Anfragen der Presse mal nicht sofort beantwortet werden, weil man sich gerade in einem Findungsprozess befindet, hat das nichts mit „Ghosting oder Blacklisting“ zu tun.

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