Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Er wartet keine Antwort ab, sondern griff an Kati vorbei zum Abfalleimer, zog diesen auf. Wieder ein kurzer Blick, dann ließ er ihn zufallen. Mit der letzten Bewegung streifte seine Hand kurz das Knie von Kati.

Der Mann ging weiter, um seine sich selbst auferlegte Arbeit zu verrichten. Kati schauderte. Die kurze Berührung mit der feucht-warmen Hand verursachte bei ihr eine Gänsehaut. Am liebsten würde sie sich schütteln, war sich aber sicher, dass der Mann dies sehen würde. Sie drehte ihren Kopf, um nach draußen aus dem Fenster zu schauen, wo die Ausläufer von Köln in der Dunkelheit am Zug vorbeizogen. An so eine große Stadt wollte sich Kati nicht gewöhnen. Hier zu leben, konnte sie sich nicht vorstellen. Sie gab dem ländlichen den Vorzug, die Sicherheit, die sie dort meinte zu spüren. Wenn überhaupt konnte sie sich vorstellen, weiter in die Eifel zu ziehen. Nach Kall zum Beispiel, wo Martina wohnte.

Martina. Der Blick, mit die sie sich von ihr verabschiedet hatte, fiel Kati wieder ein. Ein Blick, in dem sich Enttäuschung und ein Anflug von Neid gebündelt hatte. Dabei hatte sich Kati mit dem Studenten nur unterhalten. Mehr war da nicht gewesen und Martin und sie kannte sich so lange, dass Martina das eigentlich hätte wissen müssen. Meistens, wenn sie sich gestritten haben, dauerte es weniger als eine Tag, bis sich wieder vertrugen. Diesmal würde es genau so verlaufen, da war Kati sich sicher. Morgen früh würde Martin erst eine SMS schicken, vorsichtig anfragen, danach würde sie stundenlang telefonieren nur ums sich in Kall zu verabreden und weiter quatschen. Erst im August würde es mit dem Job bei beiden los gehen, bis dahin konnte sie die Zeit noch gemeinsam verbringen und den Sommer genießen. Vielleicht würden sie sogar ins Freibad gehen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner