Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Rasenpflege für Tennisspieler

Bei Ex-Tennisprofis ist Geld das bevorzugte Mittel zur Rasenpflege. Vor Gericht zählt jedoch eher ein tadelloser Lebenswandel.

Jahr der Rasenpflege

Zu unserem Haus in Emden gehört ein kleines Stück Rasen hinterm Haus. Die Rasenpflege ist etwas, was in meinen Verantwortungsbereich fällt. Das hat historisch Gründe. Anders als meine Frau bin ich mit Rasen vor der Haustür seit meiner Kindheit vertraut. Natürlich sind damit nicht nur schöne Erinnerungen verbunden. Etwa wenn Eltern der festen Überzeugung sind, man müsse Kindern schon sehr früh in die Rasenpflege mit einbinden. Selbst so Tätigkeiten wie dem Vater, der den Elektrorasenmäher bedient, die ganze Zeit das Kabel hinterherzutragen — Hauptsache, das Kind beschäftigt sich nicht mit so unnützen Dingen wie spielen oder trifft sich mit Schulfreunden.

Sei es drum. Geschadet hat es mir natürlich auf die eine oder andere Weise schon, aber immerhin kenne ich mich mit Rasen aus. Hier in Ostfriesland hilft das aber nicht automatisch weiter, denn der Rasen etwa in Emden ist speziell. Moos kannte ich in der Häufigkeit noch nicht in der Grünfläche. Der Kampf dagegen hat etwas Sisyphus-Arbeit. Immerhin hat die Kombination aus rappel kurz schneiden, vertikutieren und düngen etwas gebracht. Seit zwei Wochen sieht es wieder satt grün aus.

Gelernt habe ich bei der Rasenpflege auch, das Grün nicht so kurzzuschneiden wie die Nachbarn. Dadruch verbrennt der Rasen schneller in der Sonne und schafft dann in Regentagen (nicht selten in Ostfriesland) Platz für Moos — quasi der Endgegner der Rasenbesitzer.

Knast für Boris Becker

Kommen wir aber von der Rasenpflege zum Tennisspieler. Nicht zu irgendeinem Tennisspieler, sondern zu dem meiner Jugend. Während ich mit einem Freund zelten war, fuhr Boris Becker seinen ersten Sieg in Wimbledon ein. Lediglich zufällig bekam ich das mit, denn Tennis interessierte mich genauso wenig wie es die Bauernfamilie interessierte, auf deren Grundstück wir zelteten. Wesentlich wichtig für mich war es, den Unterschied zwischen Spülwasser und Trinkwasser zu lernen. Für die angerührte Tomatensuppe verwendete ich nämlich versehentlich das Spülwasser.

Wie dem auch sei, zurück zu Becker. Die Faszination für Tennis entwickelt sich bei mir nie. Insbesondere nicht als in der passiven Form des Zuschauens. Tennis spielen gehörte damals zu den Sportarten für reiche Schnösel. Über die Einschätzung kann man sicher diskutieren, über Steuerbetrug jedoch nicht.

Beim lesen Süddeutschen Zeitung bekommt man an diesem Wochenende den Eindruck, drüben in München gibt es viel Sympathie für und noch mehr Mitleid mit Boris Becker. Der wurde von einem englischen Gericht zu zweieinhalb Jahren Haft aufgrund von Insolvenzbetrug verurteilt. Im Kölner Stadtanzeiger schreibt Frank Nägele sogar „Als müssten wir selbst ein bisschen mit ins Gefängnis“. Mir kommt da echt die Tränen — vor Lachen.

Verdient ist verdient

Ganz ehrlich, die Strafe hat Boris Becker verdient. Dass es ihn erwischt und viele andere Promis davon kommen, ist kein Grund, auch ihn laufen zu lassen. Den wohl besten Kommentar zum Urteil schrieb Holger Ohmstedt vom NDR. Becker sei kein Junge mehr. Wer die britische Insolvenzbehörde gezielt fünf Jahre an der Nase herumgeführt hat, so Ohmstedt, könne nicht so blöd sein, wie er vor Gericht weismachen wollte.

Es ist auch wenig nachvollziehbar, wie jemand nach seiner Insolvenz weiterhin in Saus und Braus leben konnte.Bitter für Becker: seine Beteiligung an einer Firma für künstliche Intelligenz hat sich wohl nicht ausgezahlt.

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