Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Eine Maut für Fahrradfahrer ist und bleibt eine besonders dumme Idee der Autolobby. Benzindämpfe wirken sich also doch aufs Gehirn aus.

Auto haut aufs Auge

Genau dann, wenn du es am wenigsten erwartest, haut dir Ostfriesland eins in die Fresse. Gut, nicht Ostfriesland. Auch nicht Emden. Eher der Umstand, hier in Ostfriesland kein Auto zu haben. Im Normalfall lässt sich alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. Gestern aber wurde meiner Frau ein Zahn gezogen und an dessen Stelle ein Implantat „verbaut“. Zur Zahnklinik mit dem Taxi hin klappte problemlos. Nach der Operation versuchte ich dann, wieder ein Taxi zu rufen. Frühstens in anderthalb Stunden, hieß es beim Taxiunternehmen unserer Wahl. Bei anderen ging niemand ans Telefon.

In der Situation wäre ein Auto wirklich gut gewesen. Oder die Infrastruktur einer Großstadt. So blieb uns nichts anderes über, als zu Fuß nach Hause zu laufen. Zum Glück hatten wir gutes Wetter und meine Frau war auch nicht wackelig auf den Beinen — toll ist so was aber nicht.

Provinz merkt man auch dann, wenn man in der Emder Zeitung Sätze wie „Seit langem warten die Verfechter von biologisch erzeugten Lebensmitteln auf den ersten reinen Bio-Supermarkt in Emden…“ liest. Verfechter von biologisch erzeugten Lebensmitteln — meinem Empfinden nach liegt in so einer Formulierung eine gehörige Portion Verachtung.

Kommen wir aber zum Thema Maut. Die fällt hier in Ostfriesland, soweit mir bekannt ist nicht an. Wäre ja auch noch schöner.

Fahrradfahrer ohne Maut

Maut, allein der Begriff weckt Assoziationen. Sofort denkt man an das Scheur-Desaster des vorherigen Bundesmautministers. Oder so ähnlich. Statt Maut könnte man auch Wegzoll sagen. Da ist man dann recht schnell bei Wegelagerei. Grundsätzlich stehe ich der Maut skeptisch gegenüber, auch wenn ich kein Autofahrer bin. Warum soll für etwas extra bezahlt werden, das über Steuergelder von uns allen finanziert wurde? Pervers wird es dann ja auch noch, wenn die Einnahmen aus der Maut für was ganz anderes verwendet werden.

Als Fahrradfahrer könnte mir das Thema freilich am Sattel vorbeigehen. In Deutschland gibt es (derzeit noch) keine Nummernschilder für Fahrräder und es entfallen auch keine zusätzlichen Steuern. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings der Zustand der Fahrradwege in Deutschland. In Köln fand ich die schon zum Teil grenzwertig, aber was hier in Emden zum Teil geboten wird, ist ein echter Tiefpunkt. Aber man will ja nicht meckern, immerhin gibt es Fahrradwege.

Die wird es vermutlich auch in der Schweiz geben. Dort soll aber, wenn es nach dem Willen einiger Politiker geht, nur noch Fahrradfahren mit einer Vignette erlaubt sein. Mit anderen Worten, eine Maut für Fahrräder. Dahinter steckt eine „Auch-Radfahrer-sollen-zahlen“-Initiative. Gleichzeitig flammt auch in Deutschland wieder eine Diskussion auf. Fahrradfahren sollen halt auch zahlen — der erhebliche Beitrag jedes Fahrradfahrers zum Klimaschutz wird dabei gerne unterschlagen. Im Übrigen, mal ganz unter uns: Von meinen Steuergeldern werden auch Autobahnen gebaut.

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