Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Frieden ohne Waffen scheint lediglich eine Illusion aus besseren Tagen gewesen zu sein. Der Krieg in der Ukraine verändert vieles.

Wiedereinführung der Wehrpflicht

In den vergangene mehrten sich die Stimme, welche eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland forderten. Unter anderem auch die CDU in Niedersachsen. Auch in Teilen der SPD gibt es Überlegungen. Währenddessen hält Eberhard Zorn, Generalinspekteurs der Bundeswehr, eine Wiedereinführung aktuell für nicht nötigt. In der Bevölkerung selber gibt es derzeit auch eine breite Ablehnung.

Ob die Einführung eines allgemeinen Gesellschaftsjahres, wie vom stellvertretende CDU-Vorsitzende Carsten Linnemann in Spiel gebracht wird, hilfreich ist, sei dahingestellt. Persönlich bin ich zwiegespalten. Was für die (Wieder)einführung spräche, greif ich gleich noch mal auf. Dagegen spricht aus meiner Sicht ein starkes Argument, in den Ring geworfen von bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie sei es nicht die Zeit „junge Menschen zusätzlich zu verunsichern“.

Deutlicher würde ich das formulieren. Nicht wenige Jugendliche empfinden die zwei Jahre der Pandemie mit Lockdown und Einschränkung bereits als verlorene Zeit. On top noch mit einem Gesellschaftsdienst erneut Zeit wegzunehmen, scheint nicht fair zu sein.

Als Angehöriger einer Generation, die noch vor die Entscheidung Wehrdienst oder Zivildienst gestellt wurde, kann meine damalige und heutig Sicht der Dinge schildern

Nicht umsonst zu haben: Frieden

Für mich bedeutet der Zivildienst auch erstmal eine Unterbrechung meiner Lebensplanung. Ein staatlicher Eingriff, den ich für unfair hielt. Aufgewachsen mit dem Frieden in Deutschland als Selbstverständlichkeit war der Krieg dennoch immer präsent. Irgendwo auf der Welt gab es immer Krieg, die Spannungen zwischen Ost und Westen bauten sich erst langsam ab.

Meiner Überzeugung nach ließe sich Frieden am besten durch konsequente Abrüstung erreichen. So bin ich aufgewachsen, so verbrachte ich meine Jugend und dieser Überzeugung blieb ich auch sehr lange Jahre treu. Für die Bundeswehr brachte ich kein Verständnis auf, galt sie doch in meinen Augen wie anderen Armeen auch als Hindernis auf dem Weg zu einem weltweiten Frieden.

Erst in den letzten Jahren setze ein Umdenken bei mir ein. Die völlige Ernüchterung brachte dann jetzt der Überfall Russlands auf die Ukraine. Wie heißt es so schön bei Schilller:

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Der Krieg in der Ukraine ist eine schmerzliche Lektion für mich und vermutlich viele, die an totale Abrüstung zur Verhinderung von Krieg geglaubt haben.

Der Weg völliger Gewaltfreiheit kann auch dazu führen, dass einem der böse Nachbar überfällt, weil man selber wehrlos ist. genau das zu verhindern, hat seinen Preis.

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