Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Manchmal muss man den eigenen Blickwinkel verändern. Gewohnheit sind im Alltag der kleine Tod und führen zu Langeweile.

taz mit Schweinebraten

Zugegeben, eine etwas gewagte Überschrift. Aber was kann ich dafür, wenn ich zu Resten vom Vortag in der Wochenendausgabe der taz blättere — wohl wenig. Aber der Reihe nach. Gestern kam unser Römertopf wieder zum Einsatz. Auf dem Speiseplan stand Schweinekrustenbraten. Nun gehört Braten an sich nicht zu den Dingen, die bei uns häufig auf den Tisch komme. Es weckt zwar Erinnerung an die Kindheit, aber liegt mindestens genauso schwer im Magen.

Hinzu kommt, dass Braten immer auch mit einer Menge Aufwand verbunden ist. Da ich mir allerdings geschworen habe, den Römertopf nicht ausschließlich zur Zubereitung der Gänsekeulen am Heiligabend hervorzuholen (dafür war er auch schlichtweg zu teuer), müssen immer mal wieder kompatible Gerichten in den Speiseplan eingeschoben werden.

Nun ist es aber so, dass ich bei Gerichten aus dem Römertopf eine Grundvoraussetzung habe: Nichts zusätzlich vorher anbraten müssen. Mit anderen Worten, ich will Rezepte, bei denen alles in den Topf geschmissen und für x Stunden in den Ofen geschoben wird. Wer im Übrigen diesen vorher vorgeheizt hat, wird wenig Freude an seinem Römertopf haben. Aber das nur am Rande.

Bewertung mit anderem Blickwinkel

Kommen wir aber zum Blickwinkel. Durch jahrelanges Lesen der Süddeutschen Zeitung ist mein Blickwinkel unbestritten geprägt worden. Obwohl ich nicht immer mit allem einverstanden bin, ergab sich im Laufe der letzten Jahre eine bestimmte Haltung. Politisch würde ich mich daher auch links der Mitte anordnen, auch wenn es mitunter ein paar nicht verhandelbare konservative Positionen gibt (diese aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen).

Die taz zu kaltem Schweinebraten als Brunch, ausgeliehen aus der Stadtbücherei dank Online. Die Zeitung selber hatten meine Frau und ich vor sehr vielen Jahren mal im Abo, weil es als Prämie eine Brotschneidemaschine von Graef gab — auch wieder eine andere Geschichte, ich schweife ab.

Naturgemäß hat die taz einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen als die SZ. Das merkte ich beim lesen dann direkt wieder anhand des Leitartikels „Mehr Entspannung wagen“ zur Ukraine-Krise. Verdammt, Stefan Reinecke bringt da eine Reihe guter Argumente, die für mich einen ganz neuen Blickwinkel ergeben. Möglicherweise liegt in der Strategie, auf Russland zugehen und deren Ängste ernst zu nehmen, die Lösung.

Sehr deutlich und treffend finde ich auch die Titelseite der taz von diesem Wochenende. Da trifft die Zeitung mit „Die Welt zu Gast bei Verbrechern“ (olympische Winterspiele in China) genau meine Ansicht.

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