Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Verfilmung von Romanvorlagen bergen immer auch das Risiko der Enttäuschung in sich. Mit Unterleuten wird man im zweiten Anlauf warm.

Windkraft im Norden

In der Eifel beim Wandern stießen meine Frau und ich gelegentlich auf sie, hier oben im Norden gehören sie zum Alltag. Die Rede ist von Windrädern. Es gibt eine ganze Reihe von Vorurteilen. Infraschall und ähnliches wirres Zeug. In Bayern ist es derzeit noch besonders schwer, Windkrafträder zu bauen. So langsam scheint man aber auch dort aufzuwachen, denn Strom kommt zwar aus der Steckdose, muss aber irgendwie produziert werden. Die Folgeschäden bei einem Windrad-GAU sind extrem übersichtlich, im Unterschied zu etwa der Atomkraft.

Ausschließen kann man jedoch nicht, dass selbst Befürworter der Energiewende auf die Barrikaden gehen, wenn so ein Windrad in Sichtweite aufgebaut werden soll. Damit sind wir dann schon fast mitten im Thema, denn um Windräder geht es auch in „Unterleuten“. Das Buch von Juli Zeh habe ich im Sommer vor sechs Jahren gelesen. Wobei, gelesen ist etwas untertrieben. Verschlungen trifft es schon eher. Nach wie vor finde ich den Roman großartig.

Umso skeptischer war ich, als 2020 die Verfilmung von Unterleuten als Mini-Serie im ZDF gezeigt wurde. Nach fünf Minuten schaltete ich ab, ich hatte ein ganz anderes Bild der Figuren im Kopf.

Rangeleien in Unterleuten

Anfang der Woche hatten wir die Serie „Das Begräbnis“ zu Ende gesehen. Sehr empfehlenswert, weil aus verschiedenen Perspektiven Stück für Stück das Gesamtbild erkennt. Jedenfalls, danach tat sich eine Lücke auf, die wir nicht mit üblichen Serienquatsch füllen wollten. Uns sprang dann wieder Unterleuten ins Auge.

Mit der Option, jederzeit abzubrechen, fingen wir wieder mit der ersten Folge an — Charly Hübner spielt im Übrigen auch in der Serie „Das Begräbnis“ mit. Siehe da, wir überstanden die ersten Minuten. Die Serie zündete bei uns, wenn man sich auf die Figuren einlässt. Dabei hilft ein deutlich zeitlicher Abstand zur gelesenen Romanvorlage. Ich für meinen Teil konnte mich nur noch in groben Zügen an die Handlung von Unterleuten erinnern. Daher ist natürlich auch ein direkter Vergleich schwierig.

Im Großen und Ganzen trifft auch die Serie den Kern, um den es bei Unterleuten geht. Aufgestauter Hass, Zugezogene, die die alten Geschichten nicht kennen und Missverständnisse, weil man die Absicht Anderer nicht erkennen will. Am Ende haben im Dorf fast alle verloren. Man beobachtet die konsequente Grausamkeit des Alltags und erkennt ein sich wiederholendes Muster. Selbst friedliche Menschen können sich an einem Akt der Gewalt berauschen. Besonders dann, wenn sich Angestautes wie bei Gerhard Fließ entlädt.

Fazit: Unterleuten ist auf jeden Fall eine akzeptable Verfilmung.

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