Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Beim Fahrradfahren kann es schnell zu einem Sturz kommen. Selbst mit Helm ist man mitunter auf fremde Hilfe angewiesen.

Niemand hielt an

Unfälle passieren, jeden Tag. Auch wenn man nicht selber beteiligt ist, gehen sie uns etwas an. Genau dann nämlich, wenn wir Zeuge werde oder aber jemanden in einer Notlage sehen. Ob und wann man bei einem Unglücksfall helfen muss, kann ich persönlich rechtlich nicht beurteilen. Moralische sollte man sich aber verpflichtet fühlen zu helfen. Dazu muss man nicht mal ausgebildeter Ersthelfer sein. Oft reicht es aus, einfach den Betreffenden zu fragen, was passiert ist (sofern noch ansprechbar) und dann telefonisch Hilfe anzufordern, falls nötig.

Ich selber hab vor einigen Jahren in Köln Hilfe leisten können. Auf der anderen Seite bin ich immer noch sehr dankbar, dass ich auch selber Hilfe erfuhr, als ich zwei Fahrradunfälle in Köln hatte. Beide Mal eilte jemand zur Hilfe, erkundigte sich und gab mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Nichts ist schlimmer, als wenn niemand stehen bleibt oder anhält.

Vor ein paar Monaten kam es beim Mann einer ehemaligen Kollegin zu einem Sturz mit dem Fahrrad, er hatte einen Herzinfarkt. Niemand kam ihn zu Hilfe. Als ihn endlich jemand fand, war es zu spät. Der Mann erlangte nie wieder das Bewusstsein.

Helfen beim Sturz

Gut erinnern kann ich mich noch an den Fall des 82-Jährigen, der in einer Essener Bank zusammenbrach. Mehrere Kunden ignorierten den auf dem Boden liegen Mann und stiegen über ihn hinweg, um an die Geldautomaten zu gelangen. Gut 20 Minuten lag der Rentner auf dem Boden, bis jemand handelt — leider war das dann schon zu spät.

Man möchte wirklich gerne wissen, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht. Ein Sturz kann jedem passieren. Dafür muss man keine Vorerkrankung haben. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, schon liegt man am Boden. So ging es gestern Vormittag meiner Frau. Sie war unterwegs mit dem Fahrrad, bei Regenwetter für Brillenträger immer eine Herausforderung.

Beim Hochfahren von der Straße auf den Fahrradweg erwischte sie die Bordsteinkante im falschen Winkel. Es kam zum Sturz. Sie lag erst mal orientierungslos und unter Schock auf den Boden, das Fahrrad auf ihr. Niemand hielt an, um zu helfen oder zumindest zu fragen, ob man helfen könne — mitten in Emden, an einer viel befahrenen Straße.

Völlig fertig quälte sie sich mit dem Fahrrad nach Hause (wo auch das Handy lag). Einige blaue Flecke und Abschürfungen, dazu eine kaputte Regenjacke. Nichts, was nicht heilen wird. Insofern ist der Sturz glimpflich abgelaufen.

Die Narbe aber, in der Situation allein und ohne Hilfe gewesen zu sein, die bleibt.

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