Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die typische deutsche Großstadt ist ein Eldorado für Brettspieler. Auf dem Land muss man sich dann in mehrfacher Hinsicht beschränken.

Lichter der Großstadt

Sehnsucht nach der Großstadt. Mit etwas Hoffnung, Stadtluft würde frei machen. Das prägt mich in meiner Jugend. Bei der Wahl des Studienortes landete ich dann bei Bielefeld. Rückblicken eigentlich nicht verkehrt, aber oft weiß man Gutes erst hinterher zu schätzen. Die Sehnsucht blieb in der ostwestfälischen Provinz, Besuche in der Großstadt Berlin vertiefte sie. Überzeugt davon, Bielefeld könne unmöglich die Endstation für uns sein, zog es meine Frau und mich dann nach Köln.

Das Ende vom Lied. Wir sind eigentlich beide nicht für eine Großstadt geeignet. Bielefeld hätte wohl als Kompromiss gepasst, aber Emden ist genau unsere Kragenweite. Falls dennoch die Sehnsucht mal wieder aufkommen sollte, reich ein Wochenendurlaub. Allerdings nicht in Köln, denn es gibt auch hier oben im Norden deutlich schönere Großstädte.

Was ich aber hier, nennen wir es ruhig Provinz, vermisse, ist so einiges um das Hobby Brettspiele herum. In Bielefeld und Köln war vieles einfacher. Das fängt schon mit der „Grundversorgung“ an. Mittlerweile lässt sich alles auch online kaufen, aber wenn ich etwa Bilder vom Brettspielladen Wolpertinger aus Gütersloh (nahe bei Bielefeld…) sehe, dann überfällt mich eine andere Art Sehnsucht. Das Hobby lebt auch von der Haptik und dazu gehört auch das Erlebnis vor dem Kauf eines neuen Spiels.

Eine Frage der Größe

In einer Kleinstadt, und als solche würde ich Emden durchaus bezeichnen, gibt es neben fehlenden Brettspielläden (sogar der in Leer ist nicht mehr da) noch ein weiteres Problem. Nur ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung gehört zu denjenigen, die Brettspiele spielen und sich auch jenseits von Monopoly und Co bewegen. Bei einer Stadt wie Emden ergibt das entsprechend weniger potenzielle Mitspieler. Dazu kommt dann noch Corona als Hindernis, neue Menschen kennenzulernen oder der Umstand, dass Kolleginnen meiner Frau einfach schwanger werden — Menschen mit Kindern scheiden zumindest nach unserer Erfahrung auf längere Zeit als Mitspieler aus.

Kommen wir aber zur Frage, die mich seit gestern wiedermal beschäftigt und die ganz unabhängig davon ist, wo man wohnt. Oder zumindest fast ganz unabhängig. Wie viele Spiele braucht man eigentlich in seiner Sammlung unter der Berücksichtigung, dass ein Jahr 365 Tage hat? Werfen wir mal eine Zahl in den Raum: 100

Mit einhundert wirklich guten Spielen verfügt man über genügend Abwechslung. Allerdings umfasst meine eigene Sammlung mehr als das vierfache. Ich liebe die Auswahl. Das führt aber zu einer gewissen Regelunsicherheit. Bei weniger Spielen muss man nicht ständig nachlesen.

Sammlung verkleinern?

Die Gretchenfrage an der Stelle lautet selbstverständlich jetzt, ob ich meine Sammlung verkleinern will. Sicher ist, dass sie nicht weiter wachsen darf. Abgesehen davon sollte ich wirklich auch alle Spiele mal gespielt habe und die herauswerfen, die nicht auf den Tisch kommen.

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