Von allen guten und bösen Geistern verlassen

„Du bist enterbt.“ Die letzte Silbe zog sich in die Länge und bekam durch die vielen Stufen der Freitreppe vor Schloss Sanssouci einen eigenen Klang.

An einer schlecht sanierten Stufe verhakte sich das linke Lenkrad des Rollstuhls. Er stoppte abrupt, während der in ihm Sitzende weiter nach vorne schoss. Das Gesetz der Trägheit in einer praktischen Demonstration.

Am obersten Absatz der Treppe stehend dachte sich Tim seinen Teil. Die Umsetzung der angedrohten Enterbung seines Enkels würde Herr Müller nicht mehr in Angriff nehmen können. Für einen Moment malte sich Tim eine gesicherte finanzielle Zukunft aus. Dann drangen die Stimmen aus einer Gruppe japanischer Touristen zu ihm durch.

Eine ganze Zeit davor. Mit Glücksspielen konnte Tim nichts anfangen. Zuletzt hatte er als Kind mit irgendwas gespielt und Glück gehört nie zu den Bestandteilen seines bisherigen 27-jährigen Lebens. Trotzdem setzte er immer wieder kleine oder größere Beträge bei Wetten ein. Geld, welches er sich meistens von irgendwoher lieh. Oder anderweitig besorgte. Auf sein Leben bezogen befand er sich mittlerweile in einer dunklen Gasse mit dem Rücken zu einer nassen, schmutzigen Wand.

Eine sich öffnende, rettenden Tür hatte er soeben aufgestoßen. Fast jedenfalls. Auf jeden Fall traf „gestoßen“ die Sache gut auf den Punkt.

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