Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Discounter sind grundsätzliche keine Heilsbringer in Bezug auf die Grundversorgung der Bevölkerung. Es geht um Gewinne um fast jeden Preis.

Billig macht willig

Vermutlich wurde jeder von uns auf die eine oder andere Weise in seinem Leben von mindestens einem Discounter geprägt. Zurückblickend fällt mir aus meiner Kindheit nur ALDI ein. Meine Oma durfte ich dorthin ab und an begleiten. Es sah dort anders als in den anderen Geschäften aus. Die Ware stand in Kartons auf Paletten, die Boden hatte schon bessere Zeiten gesehen. Durch die schlauchförmig Filiale vernahm man kontinuierlich das Geräusch der Kassen — damals noch ganz ohne Scanner.

Es gibt sogar ein Dosengericht, welches sich in meinen Erinnerungen festgebrannt hat: Hühnernudelsuppe. Nie schmeckte sie später wieder so wie früher. Ich lernte damals, dass es bei ALDI vor allem darum ging, extrem günstig Ware zu anzubieten. Also eigentlich billig, um möglichst viel Umsatz zu machen. Diesem Ziel hatte sich alles andere unterzuordnen. Das hat sich bis heute mit Sicherheit nicht geändert. Verändert haben sich aber die Filialen von ALDI (Nord und Süd) und anderen Discountern. Sie sind größer geworden, heller und mit einem größeren Sortiment, welches auch Markenartikel beinhaltet.

Gleichzeit ist die Konkurrenz größer geworden. Mit wöchentlich wechselnden besonderen Angeboten aus dem Nonfood-Bereich versucht man die Verbraucher in die Läden zu locken. Sogar Themenwochen gibt es. Trotzdem kaufe ich persönlich dort selten bis nie ein.

Druck der Discounter

Mir sagt die Philosophie der Discounter nicht zu. Auch mag ich die dort vorherrschende Hektik nicht. Abgesehen davon schauen meine Frau und ich weniger auf den Preis als auf den Inhalt. Wir wollen Lebensmittel, keine Nahrungsmittel — ein Thema, über das man lange intensiv streiten könnte.

Dennoch sehe ich die Notwendigkeit der Discounter gerade bei denen mit geringem Einkommen. Wobei es eigentlich fatal ist, wenn man aufgrund seines Einkommens am wohl wichtigsten im Leben, dem Essen, sparen muss. Gemischte Gefühle hinterlassen gerade auch die Themenwochen bei mir, wenn suggeriert wird, man würde etwa italienische Produkte in Spitzenqualität zum Discountpreis bekommen.

Nun denn, wie komme ich eigentlich auf das Thema? Schuld daran ist die heutige Ausgabe der Emder Zeitung. Darin wird über den Lidl in Wolthusen berichtet. Der Discounter will einen Neubau auf der grünen Wiese hochziehen, weil ihm seine „alte“ Filiale zu klein ist (800 Quadratmeter statt mindestens 1.200 Quadratmeter). Man setzt daher den Rat der Stadt unter Druck, damit der Flächennutzungsplan für die ins Auge gefasst Grundfläche entsprechend geändert wird. Einige Ratsmitglieder sehen kein Problem darin, das Naturfläche freizugeben. Man könne schließlich woanders eine Ausgleichsfläche schaffen. Klappt ja gut in Emden, wie man an den Schildbürgerstreich Janssens Tuun gesehen hat.

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