Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Lokalzeitung wird überflüssig

Die Lokalzeitung gehört mittlerweile zu den bedrohten Institutionen. Einsparungen lassen regionale Blätter zur Werbeverpackung schrumpfen.

Stets gut informiert

Zeitungen sind in meinem ganzen bisherigen Leben eine Konstante gewesen. Keine Zeitung morgens zum Frühstück ist eine gruselige Vorstellung. Genauso wie ich Tee (oder Kaffee brauche), brauche ich auch meine tägliche Dosis Informationen.

Zeit dem ich lesen kann, bin ich Zeitungsleser. Mich interessiert, was in der Welt, aber auch unmittelbar um mich herum passiert. Aus diesem Grund haben wir in Emden wieder neben der Süddeutschen Zeitung eine Lokalzeitung im Abo. Die SZ ist ohne Zweifel eine, wenn nicht sogar die beste deutsche Tageszeitung. Wenn man aber nicht gerade in München wohnt, fehlt aber der regionale Teil.

Es entgehen einem dann Veranstaltungen und Termine vor Ort ebenso wie Ankündigungen. Zumindest ich für meinen Teil möchte auch wissen, welche politischen Entscheidung in der Stadt, in der ich lebe, getroffen werden. Andere wollen über die Spielergebnisse ihres Vereins lesen oder von den Kaninchenzüchtern. Ob eine Stadt klein, mittelgroß oder eine echte Großstadt (nach deutschem Maßstab) ist, spielt dabei keine Rolle. Das Herz der Stadt schlägt auch in der Lokalzeitung, die am Puls des Geschehens vor Ort sein sollte.

Köln ohne Lokalzeitung?

Als ich 2010 mit meiner Frau nach Köln zog, war ich etwas überrascht über den regionalen Zeitungsmarkt. In der Domstadt gibt es den Express, den Kölner Stadtanzeiger und die Kölnische Rundschau. Hört sich aus der Ferne erstmal gut an. Bis man dann realisiert, dass alle drei Zeitungen zur DuMont Mediengruppe gehören. Vielfalt sieht anders aus. Immer wieder habe ich mich dann auch hier im Blog darüber ausgelassen, welch schlechtes Bild Köln als Millionenstadt von sich gibt. Die Lokalzeitung in der Hand eines Verlages — das war in Bielefeld und auch in Wesel anders.

Mit dem KSTA als Lokalzeitung schloss ich dann vorübergehend meinen Frieden, zeitweise sogar als einzige Zeitung im Abo. Mit der SZ ist es aber wie mit Tee bei mir. Lange Zeit ohne halte ich einfach nicht aus. Wie dem auch sei, bei KSTA stellte ich dann leider fest, wie sich die Lokalzeitung veränderte. Die vormals hochgelobte digitale Ausgabe wurde amputiert. Über blieb nur noch eine Ab zur Anzeige des Print-PDFs.

Der Ton in der Redaktion wurde rauer, auf einer Betriebsfeier sprach dann der Gastredner Reiner Calmund davon, Betriebsräten den Stecker zu ziehen. Viel lieber arbeitete der Verlag mit kostengünstigeren Freiberuflern zusammen. Jetzt geht man noch einen weiteren Schritt Richtung Totalabbau. Zum 1. Juli 2022 wird der Verlag keine eigenen Fotografinnen und Fotografen mehr beschäftigen. Der Deutsche Journalistenverband NRW kritisiert zu Recht diesen Qualitätsverlust.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.