Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ein Teil von Deutschland wählt den Supervorsitzenden. Das Casting für den Parteivorsitz bei SPD und CDU begonnen.

Einladung zum Ehemaligentreffen

Die meisten Ehemaligentreffen verlaufen nach einem bekannten Muster und sind nur als Karikatur zu ertragen. Warum soll man sich auch Menschen antun, mit denen man lange kein Kontakt hat. Im kommenden Jahr findet ein Treffen meines Abiturjahrgangs statt. Es sind dann 30 Jahre vergangen. Eine Einladung schlug ich aus, schließlich hatte ich mit nur ganz wenigen Mitschülern etwas zu tun.

Aber darum geht es gar nicht. Eigentlich könnten nämlich CDU und SPD ein Ehemaligentreffen veranstalten. Die Ex-Koalitionäre sind nämlich auch ehemalige Volksparteien. Während bei der SPD mittlerweile die Notwendigkeit einer Veränderung angekommen ist, glaubt die CDU noch immer an ihr Sendungsbewusstsein als Volkspartei. Sie schlägt dabei genau jenen Kurs ein, der die SPD an den Rand der Bedeutungslosigkeit brachte. Mittlerweile geben sich auch in der CDU die Parteivorsitzenden die Klinke in die Hand.

Jetzt soll es die Basis richten und irgendwie bei der Wahl des Parteivorsitzenden (tatsächlich sind bisher nur Männer als potenzielle Kandidaten bekannt) richten. Wie das Ganze ausgeht, wird sich dann Anfang nächsten Jahres entscheiden. So lange läuft nicht nur das Casting in der CDU, sondern besteht auch das Machtvakuum — ein gefährlicher Kurs.

Genossen erneut beim Casting

Immerhin zeichnet sich bei der CDU ab, welche alten weißen Männer in die nähere Auswahl kommen (Röttgen, Merz). Damit ist man beim Casting schon weiter als die SPD. Wobei es die Sozialdemokraten auch kalt erwischt hat. Da gewinnt man eine Bundestagswahl, zeigt seit einer gefühlten Ewigkeit wieder so was wie Geschlossenheit und plötzlich verabschiedet sich der Co-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans in den Ruhestand.

Für den Fast-Kanzler Olaf Scholz ein denkbar ungünstiger Moment. Die naheliegende Option, aus der bisherigen Doppelspitze einfach eine einzelne Parteivorsitzende zu machen, kommt wohl nicht infrage. Damit ist auch die Zukunft von Co-Chefin Saskia Esken ungewiss geworden. Gerüchten zu Folge soll sie ein Ministerposten in der künftigen Bundesregierung bekommen.

Wie dem auch sei, jetzt ist auch das Casting bei den Genossen angesagt. Heiß gehandelt werden der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. Wie es aussieht, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine Doppelspitze geben. Wäre das auch ein Modell für die CDU? Wohl eher nicht, denn während in der SPD die Doppelspitze einen Ausgleich darstellt (Mann — Frau, West—Ost) stehen in der CDU derzeit nur mittelalte bis alte weiße Männer aus Nordrhein-Westfalen auf der Liste. Einseitig ist diesbezüglichh noch untertrieben.

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