Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Brettspiele und Moral sind ein heikles Thema. Ein harmloses Brettspiel kann schnell eine Grundsatzdiskussion auslösen.

(K)eine Frage der Moral

Ursprünglich wollte ich nicht über Moral, sondern über Rassismus und Brettspiele schreiben. Meine Frau hielt mich jedoch zurück. „Das kannst du so nicht bringen.“ Ihrer Meinung nach würde das haufenweise hässliche Kommentare geben. Vermutlich hat sie recht. Anstoß, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, ist ein Beitrag des Hessischen Rundfunks. Genauer gesagt, der dritte Teil der Mini-Serie Board Games.

An sich hat der hr da etwas Großartiges abgeliefert über eines der schönsten Hobbys der Welt. Ein insgesamt gelungener Einblick, auch wenn ich persönlich vielleicht ein paar andere Schwerpunkte gesetzt hätte.

In der dritten Folge gibt es nicht nur einen historischen Rückblick auf die Versuche, Ideologie in Brettspielen zu packen, sondern auch um die aktuelle Debatte über Kolonialismus und Rassismus in Brettspielen.

Ehrlich gesagt habe ich mir bis gestern noch keine Gedanken darüber gemacht, warum in den früheren Auflagen von „Puerto Rico“ die Holzklötzchen für die Arbeiter braun sind. Um darin Sklaven zu sehen, benötigt man meiner Meinung nach ein ordentliches Stück Fantasie. Zudem dem auch den Willen, eine böse Absicht zu vermuten.

Aber was weiß ich schon, schließlich bin ich lediglich ein mittelalter weißer Mann.

Vermittlung von Werten und Regeln

Moral bezeichnet die Werte und Regeln, die innerhalb einer Gesellschaft vorhanden und anerkannt sind. Dabei ist Moral auch relativ. Hier in Deutschland halten wir es für unmoralisch und verwerflich, Hunde zu essen. Dagegen sind etwa in Indien Kühe heilig. Mit anderen Worten, nicht überall gelten die gleichen Werte und Regeln. Das möchte ich jedoch an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Mir geht es um die Werte und Regeln, die über ein Brettspiel transportiert werden. Genau an dieser Stelle wird das Eis sehr dünn. Nach wie vor halte ich spielen für eine treffliche Tätigkeit im Sinne der Nikomachischen Ethik von Aristoteles. Ich spiele, um zu spielen. Nicht, um über das Spiel ein anderes Ziel zu erreichen. Daher sehe ich die Vermittlung von Werten und Regeln mittels Brettspielen kritisch beziehungsweise halte die Einflussmöglichkeiten für sehr begrenzt.

Anders als bei abstrakten Brettspielen wie etwa Mühle können bei thematischen Brettspielen sowohl das Thema selber als auch verborgenen oder sichtbare Details zu Diskussionen führen. Etwa das Thema Kolonialismus bei Brettspiel „Mombasa“.

Für mich stellte sich die Frage, was das Spiel mit einem macht. Wird man zum bösen Kolonialisten, weil man Mombasa spielt? Ist man nach einer Partei deutlich unkritischer in Bezug auf das Thema?

Kirch im Dorf lassen

Wenn bereits Mombasa zu Diskussionen führt, mag ich mir gar nicht ausdenken, was ein Spiel wie „Secret Hitler“ auslöst. Im Übrigen halte ich die Behauptung, man wäre im anglo-amerikanischen Raum wesentlich sensibler bei den Themen, die Brettspiele transportieren, für ausgemachten Blödsinn.

Der größte Teil der härtesten War Games mit historischem Bezug kommt aus den USA. Des Weiteren ist die Firma Games Workshop ist eine englische Firma. Schaut man sich deren Warhammer 40k Universum an, ist das dortige menschliche Imperium eine faschistische Diktatur, in dem ein einzelnes Menschenleben nicht zählt — aber das nur mal so am Rande.

Die Moral von der Geschichte: Ich finde, man sollte durchaus die Kirche im Dorf lassen. Das ist aber nur meine Meinung.

Titelbild: Cover Brettspiel Mombasa von Pegasus Spiele

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