Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Jugendsünden bleiben unvergessen

Unfehlbarer Literaturkritiker ohne Jugendsünden erheben sich zu Scharfrichtern für die weiße Mehrheitsgesellschaft.

Alle mal zurückerinnern

Das Thema Jugendsünden lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise angehen. Ein Ansatz wäre, es so zu sehen wie meine Frau. Als Bio-Informatikerin und Lehrerin bezeichnet sie die Pubertät als Phase, wo das Gehirn komplett neu programmiert wird. Quasi auf Links gezogen und anders gestrickt. Im Schulalltag erlebt sie immer wieder Schülerinnen und Schüler, die von einem Moment auf den anderen eine völlig andere Richtung einzuschlagen.

Einem biologischen Prozess kann man keinen Vorwurf machen, nur mit sanfter Hand die jungen Menschen in die richtige Richtung schubsen.

Ein anderer Ansatz wäre der, an eine unumstößliche Wahrheit zu erinnern. Wir alle waren einmal jung. Wie heißt es so schön, wer ohne Jugendsünde ist, der werfe den ersten Stein. Persönlich würde ich an dieser Stelle grundsätzliche keinen Stein in die Hand nehmen, da ich ein gutes Gedächtnis habe. Auch an Dinge, die sich mit so was wie Pubertät nicht mehr entschuldigen lassen. Mir geht an dieser Stelle immer eine Zahl durch den Kopf. Zum Glück weiß nur Christoph, was es mit der 24 auf sich hat. Das kann auch gerne bis zu unserem Lebensende so bleiben.

Unser Vorteil damals: Es gab noch kein Internet. Kein Twitter, YouTube, Instagram, Facebook und all solch Gedöns.

Alterstorheit versus Jugendsünden

Ganz ehrlich, ich bin froh, dass mir niemand das vorhält, was ich als 14-Jähriger getan oder gedacht habe. Dieses Glück hat die neue Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, offensichtlich nicht. Wenn man schon Morddrohungen dafür erhält, dass man damals von einer „eklig weiße-Mehrheitsgesellschaft“ sprach — ich weiß nicht, vermutlich hätte man mich tatsächlich erschlagen.

Völlig aus dem Kontext gerissen würde ich im Übrigen das Vorhandensein einer eklig weiße-Mehrheitsgesellschaft zumindest zum Teil so unterschrieben. Wäre aber jetzt ein anderes Thema an dieser Stelle. Es geht ja um Jugendsünden.

Statt dem Ganzen einfach mit der gebotenen Gelassenheit zu begegnen, wird das Thema aufgebauscht und Menschen melden sich zu Wort, die man für klüger gehalten hätte.

Eine davon ist Elke Heidenreich. Auf andere Leute Steine werfen ist bekannterweise eine Art deutscher Nationalsport. Statt es einfach als Jugendsünde abzuhaken, lässt sich Heidenreich auf etwas ein, was sich nicht mehr als Niveau bezeichnen lässt. Spricht von einer Generation, die nicht lesen könne und unterstellt Heinrich, sie sei ein Mädchen, welches nicht genug nachdenke.

Schon krass, eine 20-jähriger als Mädchen zu bezeichnen. Abwerten mit dem Unterton, „junges dummes Ding“. Wenn man dann noch wie Heidenreich Hautfarbe und Herkunft anspricht, wird es noch schlimmer. Mir fällt dazu die Zeichnung von Ralph Ruthe ein mit dem Kamel aus Gelsenkirchen.

Mittlerweile gibt es keinen Grund mehr, das Wahlalter nicht auf 16 Jahre abzusenken. Heidenreich liefert jedoch Gründe, es nach oben hin zu beschränken — was natürlich eine Pauschalisierung ist, die ich mir aber leisten kann. Um ein politisches Amt werde ich mich nicht mehr bewerben.

By the Way: Wir hatten sogar mal einen Steinewerfer als Außenminister, Frau Heidenreich.

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