Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Am bekannten Lied der Kölner Sängerin Trude Herr ist leider etwas falsch. Ehrlicherweise geht man ganz beim Verlassen der Domstadt am Rhein.

Wenn man Abschied nimmt von Köln

Nach einer weiteren Folge „Agents of Shield“ (nur in kleinen Dosen genießbar) und der aktuellen Folge von markt blieben meine Frau und ich bei einer Dokumentation des WDR über die 1980er Jahre hängen. Die Zeit unserer Kindheit und Jugend. Da wurden Erinnerungen wach. Überwiegend gute Musik, aber furchtbare Frisuren und merkwürdige sportlicher Betätigungen. Das beste, was wir über die Zeit sagen können: Sie ist zum Glück vorbei.

Das haben die 1980er Jahre gemeinsam mit unserer Zeit in Köln. „Niemals geht man so ganz“ heißt das Lied von Trude Herr, aber wir sind tatsächlich ganz gegangen. Nicht nach Düsseldorf oder Bonn, sondern nach Emden in Ostfriesland. Ganz bewusst raus aus der Domstadt und auch dem Bundesland. Ein Schritt, den wir uns gut überlegt hatten. Was die Entscheidung einfacher machte, waren die sich entwickelnden Umstände, die steigenden Kosten und die schlichte Tatsache, dass wir anders als Trude Herr keine gebürtigen Kölner sind. Der Dom ist uns genau so schnuppe wie das, man in Köln als Bier bezeichnet. Wie radikal jedoch der Abschied wirklich wurde, erstaunt mich mehr denn je. Geht man ganz, bleiben einem doch zumindest noch die Freunde und Bekannten — dachten wir.

Definitiv geht man ganz

An schlechten Tagen habe ich den Eindruck, eine Art Hochverrat begangen zu haben. Verlässt man Köln, geht man ganz, zumindest aus der Sicht derer, die bleiben. Zum Zeitpunkt wo ich diese Zeilen schreibe, habe sich die Kontakte Richtung Köln auf null reduziert. Das war nicht so unsere Absicht.

Kontakte brachen ab, Glückwünsche blieben unbeantwortet und ein netter Mitspieler reagiert nicht mehr auf E-Mails. Für ihn war ich vermutlich nur interessant, solange ich vor Ort verfügbar war. Ehrlich, so was macht mich traurig. Wenn man nur mit seinen Mitmenschen verkehrt, weil sie noch irgendwie nützlich sein könnten, entspricht das nicht meinem persönlichen Weltbild. Es zeigt mir auf der anderen Seite auch, wie oberflächlich die Kontakte in Köln gewesen sind. Gerade von einigen Mitspielern weiß ich bis heute nur, welche Spiele sie gerne spielen und was sie am Spieltisch gerne essen und trinken.

Sei es drum. Geht man ganz, dann soll es so sein. Ich werde mir bis zum Jahresende Gedanken machen und dann meine „Freundesliste“ bei Facebook radikal ausdünnen. Irgendwas von mir bleibt bestimmt zurück. Aber nicht in Köln, sondern anderswo.

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