Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Intelligenz gehört nicht zum Firmenkapital von Facebook. Werbeanzeigen im sozialen Netzwerk treffen oft die falsche Zielgruppe.

Wirkliche Störungen

Manche Menschen bekommen bereits einen Herzinfarkt, wenn sich Facebook für ein paar Stunden nicht aufrufen lässt. Ehrlich gesagt ist mir die weltweite Störung von letzter Woche nicht aufgefallen. Erst durch die Berichterstattung las ich davon. Da gibt es wirklich schlimmer Sachen. Etwa, wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Aber mal im Ernst, die wirklichen Störungen bei Facebook sind ganz andere. Wobei es auch Sicht von Facebook eher der normale Betrieb ist, wenn Querleuchter ihren Müll posten, Reis-Bürger zum Widerstand aufrufen oder Xavier Naidoo ein gefaktes Katzenbild postet.

Zum Glück bleibe ich von dem meisten Rotz verschont — Filterblasen haben halt auch so ihre Vorteile. Gut, es gibt Schwachmaten, die ihren Mist unter Beiträge der Emder Zeitung oder der Süddeutschen Zeitung schreiben. Immerhin kann ich dann daraus ab und an Blogbeiträge machen, das wiegt die Aufregung wieder auf.

Was mich wirklich bei Facebook stört, ist die Werbung. Sicher, damit verdient der Konzern seine Brötchen. Ich habe auch nicht an sich etwas gegen Werbung. Nur gegen Werbung, bei der ich definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre.

Alle regen sich immer auf, wie viel Facebook über sie angeblich wisse. Bei mir weiß Facebook offensichtlich zu wenig. Oder leidet an digitaler Demenz.

Definitiv falsche Zielgruppe

Für dubiose Kapitalanlagen, windige Strukturvertriebe und insbesondere Nahrungsergänzungsmittel bin ich die falsche Zielgruppe. Das sollte Facebook eigentlich auch mitbekommen haben. Auf solche Anzeigen klicke ich nicht und wenn, dann nur auf „Werbung ausblenden, weil irrelevant“.

Es muss wirklich schwierig sein, den Algorithmus darauf zu trainieren, für Dinge Werbung einzublenden, die auch für die Zielgruppe relevant ist. Allein schon aufgrund meines Alters (ist für Facebook einsehbar) sollte ich nichts angezeigt bekommen, was für 20 bis 30-Jährige interessant sind.

Man Facebook, ich gehöre fast schon zu den Silversurfer, warum blendest du nicht Werbung für Gleitsichtbrillen, Sterbevorsorge oder schönsten Senioren-Residenzen ein? Statt gleichaltriger sehe ich dynamische, extrem junge Menschen, die lächeln Zeug anpreisen, das jeder mit normalem IQ als Müll erkennt.

Liebes Facebook, so was ist beleidigend! Gut, heute gab es zum ersten Mal Werbung für Doppelherz. Ist aber auch wieder ein Nahrungsergänzungsmittel. Meine Haltung dazu ist auch (siehe einige Kommentare bei Facebook) bekannt.

Wäre ich Geschäftskunde von Facebook, ich hätte ernsthafte Zweifel, ob meine Werbung auch die richtige Zielgruppe trifft. Wie dem auch sei, möglicherweise trägt ja auch dieser Blogbeitrag dazu bei — in Zukunft noch mehr unpassendes angezeigt zu bekommen.

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