Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Wahlbeteiligung in Emden kann man sich nach Interessenlage schönreden oder schlecht rechnen. Ein paar Ungereimtheiten gibt es wohl.

Wahlbeteiligung in Emden

Laut einem Bericht der Emder Zeitung von diesem Wochenende lag die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2021 in Emden bei lediglich 67,97 Prozent. Damit hat Emden mit Abstand die schlechteste Wahlbeteiligung in ganz Niedersachsen. Nirgendwo in Niedersachsen lag die Wahlbeteiligung unter 71 Prozent — der Bundesdurchschnitt lag bei 76,6 Prozent.

Jetzt kann man natürlich darüber spekulieren, was in Emden zu dieser geringen Wahlbeteiligung führte, so wie das die Emder Zeitung macht und den Politikexperte Dr. Michael Jankowski dazu befragt.

Oder aber, man kann einen anderen Weg einschlagen, nämlich die Zahl anzweifeln. Einem der Wahlhelfer mit mir am vergangenen Wochenende kam bereits die Wahlbeteiligung der Kommunalwahl merkwürdig vor, da sie von dem abwich, was er sich aufgeschrieben hatte. Daher hab ich mir für mich noch mal die Daten für den Wahlbezirk Constantia I zur Bundestagswahl notiert.

Auf der Seite des Votemangers findet sich für Constantia I eine Wahlbeteiligung von 59,83 Prozent. Gezählt wurden 499 Wähler, was sich auch mit meinen Notizen deckt. Allerdings kamen wir vor Ort auf eine Wahlbeteiligung von 80,09 Prozent.

Auffällig ist, dass als Grundlage 834 Wahlberechtigte ausgewiesen werden. Tatsächlich stimmberechtigt waren jedoch vor Ort nur 623 Personen. Der Rest hatte, so wie ich im Wahlbezirk Constantia II, Briefwahl beantragt.

Unterschlagene Briefwahlbeteiligung?

Hier ergibt sich dann meiner Meinung nach ein Problem, denn die Beteiligung bei der Briefwahl wurde anscheinenden nicht berücksichtigt.

Die Wahlbeteiligung kann nicht angezeigt werden. Es handelt sich um einen Briefwahlbezirk.
Anzeige beim Votemanger

Zählt man die Wähler in den einzelnen Briefwahlbezirken zusammen, kommt man auf 6374 Wählerinnen und Wähler, die in ihren eigentlichen Wahlbezirken nicht gerechnet wurden. Es fehlt auch eine Übersicht, wie viele Briefwahlunterlagen nicht zurückgekommen sind.

An dieser Stelle müsste man sich vermutlich die Mühe machen, sämtliches Datenmaterial genau durchzugehen. Dazu würde auch gehören, die Wahlberechtigten in der Stadt Emden gesamt (angeblich 37.374) so wie die Anzahl der Wählerinnen und Wähler (25.403) abzugleichen mit allen Wahlbezirken, einschließlich der Briefwahlbezirke. Eventuell läge dann die Wahlbeteiligung nicht bei lediglich 67,97 Prozent, sondern etwas höher.

Unabhängig davon, ob am Ende die Gesamtsumme stimmt oder nicht, halte ich das zumindest für meinen Wahlbezirk die Zahl von 59,83 Prozent bei der Beteiligung für zumindest sehr unsauber.

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