Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Eine abgegebene Stimme bleibt auch bei neuen Erkenntnissen eine abgegebene Stimme. Eine Wahlentscheidung bei der Briefwahl ist unumkehrbar.

Luftnummer Luftwerbung

Am Fenster meines Arbeitszimmers fliegt ein Motorflugzeug mit angemessenem Abstand vorbei. Hinter sich zieht es ein langes Stoffbanner, dessen Werbeaufdruck ich nicht lesen kann. Auf so eine Distanz ist eine Lesebrille nicht wirklich brauchbar. Möglicherweise ein Beipackzettel für den heutigen Tag. Oder ein Versuch der FDP, Wählerinnen und Wähler mit originellen Ideen für sich zu gewinnen. Eher unwahrscheinlich, den FDP und „originelle Ideen“ sind ein Widerspruch.

Mit Rezepten und einer Steuerpolitik aus der Vergangenheit lässt sich die Zukunft nicht gestalten. Allein die Steuerpläne der FDP müssten eigentlich den Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abschrecken. Am stärksten entlastet werden vor allem die besonders hohen Einkommen, wie selbst eine Untersuchung des
Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. Anschaulich zusammengestellt hat da auch die Süddeutsche Zeitung.

Wer daran glaubt, der Markt würde alles regeln, macht auch den Bock zum Gärtner.

Wenn man die insbesondere den Parteivorsitzenden Christian Lindner reden hört, glaubt man sich noch mitten in einem schlechten Film der 1990er Jahre. Fragt sich nur, ob sich diesmal bei der FDP das Motto „Lieber schlecht regieren als gar nicht regieren“ durchgesetzt hat. Opposition, das wusste auch Franz Müntefering von der SPD, ist schließlich Mist.

Selbst wenn über Nacht aus der FDP eine progressive Fortschrittspartei würde, wäre es zu spät. Meine Wahlentscheidung habe ich längst getroffen.

Falsch getroffene Wahlentscheidung

Im Großen und Ganzen würde ich meine Wahlentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt genau so wieder treffen. Im Grunde genommen lässt meine politische Gesinnung nur zwei Parteien zu. Es gibt für mich eine Wahl zwischen SPD und den GRÜNEN. Dass ich meine Wahlentscheidung für letztere getroffen habe, erläuterte ich bereits an der einen oder andere Stelle hier im Blog.

Ja, Annalena Baerbock hat Fehler gemacht und Olaf Scholz an Strahlkraft gewonnen. Auf dem Weg zur Macht lässt sich gut straucheln, wie in der ARD-Dokumentation „Wege zur Macht. Deutschlands Entscheidungsjahr“ sehr deutlich wird. Die Langzeitbeobachtung gibt einen Einblick in die Welt der Spitzenkandidaten der großen Parteien. Drei bewerben sich um das Bundeskanzleramt. Olaf Scholz lässt sich früh von seiner Partei aufstellen, während Union und GRÜNE einen langen Prozess durchlaufen.

Scholz als Bundeskanzler? Vor dem Sommer ein gewagter Traum. Doch wie Eis in der Sonne schmelzen die Werte für CDU und GRÜNE an Juli dahin.

Souveränität made bei Scholz

Während meine Frau und ich uns gestern die Dokumentation ansah, kamen mir leichte Zweifel an meiner Wahlentscheidung. Wobei ich ja nicht eine Bundeskanzlerin, sondern eine Partei gewählt habe. Für Annalena Baerbock spricht ihr Alter, der Umstand, dass sie gemeinsam mit ihrer Partei für frischen Wind sorgt. Vor allem für die notwendigen ersten Schritte in der Klimapolitik. Gegen sie spricht nicht, dass sie bisher noch kein politisches Amt außerhalb ihrer Partei innehatte.

Leider aber wirkt sie in der Dokumentation nicht ganz so souverän und sorry, die Stimme mag ich mir nicht wirklich bei einem Putin-Besuch vorstellen. Wenn dann noch Alice Weidel von der AfD einen bemitleidet, sollte man sich wirklich Gedanken machen.

Auf der anderen Seite ist dieses Dauergrinsen von Armin Laschet extrem provozierend. So einen Gesichtsausdruck macht auch ein Gebrauchtwagenverkäufer, kurz bevor er einen gehörig über den Tisch zieht.

Olaf Scholz dagegen wirkt wie ein sanft lächelnder Buddha. Er sitzt alles einfach aus und wartet auf die Fehler der anderen. Insbesondere Laschet und seine CDU werden immer nervöser und scheuen auch keine Schmutzkampagne.

Am Rande der Doku erlebt man einen Markus Söder (CSU), der wirklich die bessere option für die Union im Bundeswahlkampf gewesen wäre.

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