Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Dauerbaustellen mit Hang zum Sadismus

Behörden und Dauerbaustellen haben eine Gemeinsamkeit. Mühelos quetschen sie das letzte Quäntchen Lebensfreude aus den Menschen heraus.

BER ist überall

Dauerbaustellen sind eine verrückte Sache. Ins Reich der Legenden gehört es allerdings, dass diese lediglich in Schilda anzutreffen sind. Anders gesagt, seit dem 5. September 2006 heißt es „BER ist überall“. Jedoch sollte man nicht so hart im Urteil mit den Berlinern sein. Auch wenn die Fertigstellung des Flughafens 14 Jahre gedauert hat und von zahlreichen Pannen begleitet wurde, ist das noch schnell. Zumindest, wenn man andere Dauerbaustellen zum Vergleich heranzieht.

Beim Kölner Dom hat es ganze 632 Jahre bis zur Fertigstellung gedauert. Hier mussten aber auch erst die Preußen den trägen Rheinländern Dampf machen. Umgekehrt könnte man die Beteiligung eines Kölners bei länger dauernden Bauprojekte annehmen.

Kölner verschlägt es bekanntlich in alle Landesteile. So fällt es auch schwer, nicht daran zu glauben, einer von ihnen sei in Emden bei der Sanierung der Trogstrecke involviert.

Bevor ich ins Detail gehe, spule die Zeit um gut ein Jahr zurück. Nachdem ich Köln hinter mir gelassen hatte, hoffte ich damit auch das Thema unglückselige Dauerbaustellen (U-Bahn, Oper & Co) los zu sein. Anfang September hatte ich dann meinen ersten Friseurtermin in Emden. Nur unter großen Anstrengungen gelang es mir, pünktlich zu sein.

Albtraum Dauerbaustellen

Folgsam wie ein Lamm folgte ich der vom Navi vorgeschlagenen kürzesten Route. Mitten in eine Baustelle hinein, beziehungsweise direkt davor. Als Ortsunkundig fuhr ich dann einfach ein Stück zurück und nahm die nächste Abzweigung — mitten ins Hafengelände und absolut falsch.

Nach dem mir ein hilfsbereiter Mensch die richtige Richtung erklärte, musste ich ein ganz Stück zurückfahren und einen riesigen Umweg nehmen. Vorbei am Wohnmobilstellplatz Alter Binnenhafen, wo auch einen Wagen mit Kölner Kennzeichen standen.

Wie dem auch sei, ich wähnte mich in der Hoffnung, bei nächsten, spätestens übernächsten Friseurbesuch den kürzeren Weg durch die Trogstrecke wieder fahren zu können. Da wusste ich noch nichts von der Dauerbaustelle.

Emder Trogstrecke wird früher fertig – bleibt über Winter aber gesperrt
Schlagzeile Borkumer Zeitung vom 20.10.2020

Was soll ich sagen, vor zwei Wochen fuhr ich immer noch im großen Bogen um die Baustelle herum. Wie heute in der Emder Zeitung zu lesen ist, wurde aus der Trogstrecke tatsächlich eine Dauerbaustelle. Für die Anbindung des Hafens ist die Strecke wohl ziemlich wichtig, was eigentlich die Bauarbeiten beschleunigen sollte. Pfusch in der 1970er Jahren führte aber wohl zu unerwarteten Problemen.

Die besondere Konstruktion und Herkunft der Bezeichnung musste ich mir als Neu-Emder erstmal herleiten. Unterführungen sind hier in Emden aufgrund der Bodenbeschaffenheit eine feuchte Angelegenheit — so gibt es auch in vielen Häusern aus guten Gründen keinen Keller.

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