Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ein Oktoberfest unter Palmen wird künftig immer unwahrscheinlicher. Am besten trinkt man sein Maß ehedem in München.

Original statt Kopie

In Köln und auch im Ruhrgebiet breitet sich in den letzten Jahren eine Seuche aus. Nein, kein Vorläufer von Corona, sondern ein bayrisches Fest. Mal wurde es mit Augenzwinkern, häufiger jedoch dummdreist kopiert. Dazu gehörte natürlich die entsprechende modische Ausstattung. Lederhosen und Dirndl sind etwa in Essen ungefähr so sinnvoll wie Karneval in Ostfriesland.

Manche Menschen brauchen halt eine Verkleidung, bevor sie sich unter Zugabe lauter Musik sinnlos besaufen. Kennt man schließlich aus dem Kölner Karneval. Meiner Meinung nach gehört das Oktoberfest genau dorthin, wo es seinen Ursprung hat. Allerdings verbreitet es sich wie Halloween. Selbst hier oben im Norden ist man nicht vor entsprechenden Angebot in den Werbebeilagen der Supermärkte und Discounter sicher.

Eine Riesen Gaudi, auf die man gerne anderorts verzichten kann. Wer sich den Spaß gönnen will, sollte zum Original greifen. Genau das sieht man in München im Übrigen genau so. Daher wollte man sich den Begriff schützen lassen.

In einer für EU-Verhältnisse verdächtigen Rekordzeit von fünf Jahren hat die EU-Behörde für geistiges Eigentum jetzt dem Antrag stattgegeben. Nun ist Oktoberfest tatsächlich eine Marke mit entsprechendem Schutzanspruch. Auch wenn der Markenschutz nur bis 2026 gilt, dürfte das vorerst einige Nachahmer abschrecken.

München ist Oktoberfest

Sicher gibt es eine ganze Reihe von Menschen, denen der Markenschutz sauer aufstößt. Nicht nur potenziellen Veranstaltern eines Ablegers anderswo, sondern auch Besucher, die sich den weiten Weg nach Bayern sparen wollten. Frei nach dem Motto „Oktoberfest ist überall“ meinte man in der Vergangenheit, einen Rechtsanspruch auf bajuwarische Gemütlichkeit auch im Ruhrgebiet zu haben.

Selbstverständlich gibt es noch kleinere Veranstaltungen, bei denen die Münchener ein Auge zudrücken. Schließlich läuft das unter Werbung für das Original. Bei anderen wie etwa der Veranstaltung in Dubai dürfe man aber wohl die Daumenschrauben anziehen, soweit das möglich ist. Da ist der Münchener wie der Kölner. Wenn es um den Karneval geht, versteht der Kölner keinen Spaß.

Den meisten dürfte aber angesichts des nunmehr geschützten Begriffs deutlich werden, worum es bei den Oktoberfesten eigentlich geht: ums große Geschäft. Schließlich wird das Maß Bier nicht zum Selbstkostenpreis angeboten.

Für dieses Jahr ist es allerdings recht egal, denn Corona-bedingt wurden hierzulande sämtliche Veranstaltungen abgesagt, auch das Original-Oktoberfest.

Fun-Fakt am Rande: Der Begriff „Wiesn“ ist seit seit 2012 als europäische Wortmarke geschützt – von der Segmüller Polstermöbelfabrik für Leuchten, elektrische Haushaltsgeräte und Möbel.

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