Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bei der Kaffeezubereitung kann einiges grundsätzlich schief gehen. Dabei liegen oft entscheidende Fehler bereits im Vorfeld.

Am Kaffee erkannt

In Anlehnung an einen Werbeslogan heißt es auch in Bezug auf Kaffee: „Die Gesichte der Kaffeezubereitung ist eine Geschichte voller Missverständnisse.“ Allerdings ist es noch wesentlich komplizierter. Bevor man sich überhaupt mit der Zubereitung beschäftigen kann, gilt es, ein Gespür für die Materie zu entwickeln.

Für die meisten von uns ist der Genuss von Kaffee an mit der eigenen Biografie verbunden. Irgendwo im Verlauf des Lebens gab es einen Einstiegspunkt. Mache sind auch irgendwann wieder vom Kaffee losgekommen (aus sehr unterschiedlichen Gründen), andere haben nie angefangen, den „Türkentrank“ zu konsumieren.

Bei mir begann der Kaffee-Konsum mit der Einschulung. Soweit ich mich zurückerinnern kann, wurde Kaffee aufgrund seines Koffein-Gehalts getrunken. Als Wachmacher morgens und auf Geburtstagen oder anderen Anlässen als Begleiter der Geselligkeit, bis zur vorgeschrittenen Stunde dann die Alkoholika herausgeholt wurden. Oft landeten im Kaffee Milch und Zucker, was wohl auch dem Geschmack der Brühe geschuldet war.

Handfilter oder handelsübliche Kaffeemaschine, mehr gab es nicht an Zubereitung im Kreis der Familie. Entscheidend jedoch war, dass Kaffee möglichst günstig sein musste, gern fuhr man auch über die Grenze in die Niederlande, um dort auf Vorrat valutierten gemahlenen Kaffee zu kaufen.

Damit haben dann schon zwei wichtige Punkte. Den Stellenwert des Kaffees im Alltag und die Qualität der Bohnen beziehungsweise des gemahlenen Kaffees.

Die richtige Kaffeezubereitung

Wer ohne mit dem Magen zu zucken Kaffee aus dem mobilen Bordbistro der Bahn herunterkommt, muss sich um die Art der Kaffeezubereitung keine Gedanken machen. Ebenso wenig diejenigen, für die Kaffee nur eine Art Wachmacher ist, der möglichst günstig zu sein hat.

Die Übrigen begreifen vermutlich Kaffee als das, was er tatsächlich auch ist. Ein Genussmittel. Echter Genuss stellt sich nicht ein, wenn man zum billigsten greift und das Heißgetränke in aller Eile hinunterschüttet. Die eigene Haltung zum Kaffee ist das Erste, woran man arbeiten muss. Kaffee will zelebriert werden.

Mit der richtigen Wertschätzung achtet man auch darauf, was für Kaffee man kauft. Nicht das Zeug aus dem Angebot, sonder ganze Bohnen aus fairem Handel, möglichst auch in Bio-Qualität. Das bedingt dann auch eine Rösterei, die ihr Handwerk versteht. Zugegeben, der Kaffee ist dann etwas teurer, aber wir sprechen ja hier auch von einem Genussmittel. So würde umgekehrt niemand ein 1 Liter Tetrapack Wein vom Discounter mit Genuss in Verbindung bringen.

Haben wir also gute Bohne und die entsprechende Muße für den Genuss, wollen diese Bohnen frisch gemahlen werden. Nicht tagelang vorher, denn Kaffee ist empfindlich — und mag auch keine Lagerung im Kühlschrank, auch wenn sich der Mythos hartnäckig hält.

Guter Kaffee bedeutet genießen

Wenn man sich die richtige Haltung aneignet hat, dann, aber auch erst dann, ist die Frage der Kaffeezubereitung von Interesse. Auch deshalb, weil man aufgrund der Haltung bestimmte Zubereitungen ausschließen kann. Schäbige Vollautomaten oder billige Filtermaschinen kommen nicht infrage.

Alles andere dagegen schon, denn die Kaffeezubereitung ist ein weites Feld, um neues zu entdecken und eigene Vorbereitungen zu entwickeln. Stimmt das Produkt, schmeckt das Getränk als Cowboykaffee, genau so wie Coldbrew. Die French Press ist ebenso eine Option wie handgefiltert oder mit der Aero Press zubereitet.

Bei uns zu Hause wird sonntäglich das Frühstück mit Cappuccino zelebriert. Frisch gemahlene Espressobohnen von einer Rösterei unseres Vertrauens werden in der Siebträgermaschine von Hand unter Druck gesetzt und anschließend mit aufgeschäumter Milch geadelt.

Der Cappuccino bleibt etwas besonders, nichts Alltägliches.

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