Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Das Gefühl von Heimweh kann die Seele eines Menschen auffressen. Dabei fasst jeder von uns Heimat anders auf.

Umzugsjubiläum

Auf den Tag genau vor einem Jahr befand ich mich mitten im Umzug. Nach wochenlanger Vorbereitung, packen zahlreicher Kartons und Abwägung sämtlicher Eventualitäten (Zugang der Lkws in die autofreie Siedlung etc.) konnte ich nur rumstehen und zusehen. Fleißig Mitarbeiter des Umzugsunternehmens verluden den gesamten Hausstand in zwei große Lkws.

Zurück blieb dann nur ich mit einem Rucksack, einem Koffer und einer sehr leeren Wohnung. Gut, ganz leer war sie nicht. Im Wohnzimmer klebte ein Rest eingetrockneter Rotwein auf dem Boden, auf dem bisher ein Spieleregal gestanden hatte. Zudem gesellten sich Staubflocken aus diversen Ecken dazu.

Noch mal die Zählerstände ablesen, ein letztes Mal auf Klo gehen und dann am späten Nachmittag den Weg zum Bahnhof antreten. Unterwegs zur Haltestelle Köln-Nippes blickte ich kein einziges Mal zurück. Mit Nippes, ja mit ganz Köln, hatte ich abgeschlossen — dachte ich zumindest zu dem Zeitpunkt.

Was folgte, war eine lange Zugfahrt Richtung Enden zu meiner Frau, die bereits fünf Tage früher nach Emden aufgebrochen war. Beim warten auf die S-Bahn in Köln-Nippes beschlich mich für einen Moment das Gefühl, obdachlos zu sein. Unser gesamtes Hab und Gut befand sich in den zwei Lkws, mit denen das Unternehmen erst am darauf folgenden Montag in Emden aufschlagen würde.

Kommen wir aber zum Heimweh.

Wirklich kein Heimweh?

Als Kind litt ich phasenweise ziemlich unter Heimweh. Die für mich spannende Frage rückblickend ist jedoch, wie ich Heimweh definieren würde. Sehnsucht zurück nach einen bestimmten Ort, nach einer vertrauten Umgebung oder aber nach einem nahestehen Personen. Nach so vielen Jahren ist das in Bezug auf meine Kindheit kaum zu beantworten. Ich vermute jedoch, dass es bei mir die Tendenz gibt, Gewohntes gegenüber dem Ungewohnten zu bevorzugen.

Insofern wäre ich dann auch anfällig gegenüber Heimweh nach Köln. Tatsächlich habe ich der Stadt einiges zu verdanken, sie hat mich im Kopf ein großes Stück bewegliche rund freier gemacht. Heimisch geworden bin ich jedoch niemals in Köln. Der anfänglichen Euphorie folgte die Ernüchterung. Bereits nach fünf Jahren Köln schlich sich so was wie eine Ermüdung ein. Heimweh nach einer Stadt verspüre ich wenn überhaupt eher in Bezug auf Bielefeld. Der Stadt, in der ich immerhin 18 Jahre gelebt habe.

Klar, mich interessiert noch zum Teil, was in Köln passiert. Ab und an rufe ich die Website vom Kölner Stadtanzeiger auf. So richtige Verbindungen in die Domstadt gibt es aber nicht mehr. Wenn ich wirklich etwas vermisse, dann wäre es ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Ansonsten bin ich abends vor einem Jahr angekommen in meiner neuen Heimat. Die ist immer da, wo ich mich über einen längeren Zeitraum wohlfühlen kann.

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