Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Nach sechzehn Regierungsjahren neigt sich die Amtszeit von Angela Merkel zur Neige. Höchste Zeit für ein Buch über die Kanzlerin.

Merkel und ich

Mein Verhältnis zu Angela Merkel als Politikerin kann nicht anders als „es ist kompliziert“ bezeichnet werden. Altersbedingt kam ich in den Genuss in der vollen Breite ihres Wirkens als Politikern, auch schon aus der Zeit, als sie noch bei vielen als „Kohls Mädchen“ galt. In jungen Jahren ist schwarz-weiß Denken einfacher. Für mich galt Merkel daher allein schon aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur CDU als rotes Tuch. Und von Helmut Kohl und seinem Umfeld hatten wir damals die Nase voll.

Das „Feindbild“ ändert sich auch nicht, als Merkel 1998 CDU-Generalsekretärin wurde, im Gegenteil. Zwei Jahre später wurde sie Vorsitzende der CDU, ein Amt, welches sie bis zum freiwilligen Verzicht 2018 innehaben sollte.

Während ich in der ersten Amtszeit von Gerhard Schröder (SPD) und den Grünen noch begeistert war, ändert sich das mit zunehmender Regierungszeit der SPD. Politisch schlug mein Herz aber weiterhin links und ich blieb den Sozialdemokraten treu. Entsprechend verfolgte ich gebannt die vorgezogene Bundestagswahl 2005.

Auch wenn mir Angela Merkel am Wahlsonntag im Fernsehen nicht plötzlich sympathisch wurde, fand ich das Macho-Verhalten von Gerhard Schröder absolut daneben.

Sechzehn Jahre die Kanzlerin

Mit der SPD ging auch ich in die gestrige Opposition. Wobei mein endgültiger Bruch mit der SPD erst 2018 erfolgte, als die SPD Andrea Nahes zu ihrer Vorsitzende machte, was man auch hier im Blog nachlesen kann.

Ebenfalls im Blog findet sich einiges zu Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Auch eine Auseinandersetzung mit ihren Podcasts. Im Jahr 2015 traf die Kanzlerin dann bei mir einen Nerv während der „Flüchtlingskrise“. Mit „wir schaffen das“ wurde sie auch bei mir die Kanzlerin der Herzen.

Politisch brachte mich das dem größeren Teil ihrer Politik nicht näher, erstreckt nicht ihrer Partei. Für die Person Angela Merkel blieb ich weitestgehend blind. Erst jetzt, kurz vor Ende ihrer Amtszeit, ändert sich das. Ursache dafür ist das Buch „Angela Merkel — Die Kanzlerin und ihre Zeit“ von Ralph Bollmann.

Für alle, die sich auch nur ansatzweise für Politik interessieren, ist das Buch eigentlich eine Pflichtlektüre. Egal, ob man sich Linkspartei, den Grünen, SPD, FDP oder CDU und CSU als Wähler zurechnet. Im Buch erfährt man einiges über die Person Merkel, noch mehr aber über die Hintergründe ihrer politischen Entscheidung und über die politischen Akteure in den letzten Jahrzehnten. Es ist ein Rückblick, der sich sehr wohltuend abgrenzt vom Gekreische gerade in den sozialen Medien.

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