Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Welt wird noch von COVID-19 in Atem gehalten. In Ostfriesland wächst dagegen die Angst vor der Variante B210n.

Keine neue Virusvariante

Gleich vorweg, B210n ist keine neue Virusvariante, sondern es handelt sich dabei um ein umstrittenes Straßenbauprojekt in Ostfriesland. Da ich in meinem Urlaub auch ein paar Fleckchen hier kennenlernen durfte, habe ich schon eine grobe Vorstellung, aber noch keine endgültige Meinung dazu.

Der Umzug nach Emden ist fast ein Jahr her, trotzdem kann ich noch für mich so was wie eine Außenperspektive in Anspruch nehmen. Dazu gehört auch, wie die Straßennetze hier oben in Ostfriesland auf mich wirkt. Klar, ich bin kein Autofahrer. Was aber nicht bedeutet, dass ich nie mit dem Auto unterwegs gewesen bin oder grundsätzlich keine Ahnung habe (so ein Privileg kann nur ein Bundesminister vom Format Andreas Scheuer für sich in Anspruch nehmen).

Wenn ich einen Blick auf die Karte vorn Ostfriesland werfe, fallen mir ein paar Dinge auf — ich hab da noch so eine schöne Karte auf der Rückseite eines Veranstaltungskalenders von 2020.

Die Autobahn A 31 endet in Emden, macht aber einen Bogen um die ganze Stadt mit mehren Zubringern. Das Endstück ist mehr oder weniger ein Steinwurf entfernt zwischen Larrelt und Constantia.

Verdammte Lücke

Zwischen Emden und Aurich so wie Aurich und Wilhelmshaven gibt es eine Lücke in Bezug auf eine direkte Autobahnverbindung. Lediglich die B210 geht von Emden bis Wilhelmshaven. Genau darum dreht sich das Projekt B210n.

Eine fehlende Bahnverbindung fällt aber genau so deutlich auf. Von Emden kommt man noch nach Norden und Norddeich Mole, aber nicht nacht Aurich. Nach Wilhelmshaven kommt man mit der Bahn von Emden aus über Oldenburg und Sand (zweimaliges Umsteigen erforderlich).

Es fährt auch eine Bahn von Sande nach Jever, Wittmund und Esens. Aber eben nichts nach Aurich. Das war nicht immer so. Unterwegs mit dem Fahrrad nach Aurich sind die Schienen nicht zu übersehen. Die wurden allerdings nach einer Reaktivierung 2008 ausschließlich für den Güterverkehr genutzt. Diese Nutzung endete dann im Jahr 2015.

Laut Verein „Aurich – ran an die Bahn“ ist Aurich bereits über 50 Jahre ohne Bahnanschluss für den Personenverkehr. Angesichts der Bedeutung der Stadt für die Region ist das absolut unverständlich. Mindestens genau so unverständlich ist es, warum man den Bau der B210n fokussiert und den Transport auf dem Schienenweg so dermaßen vernachlässigt. Insbesondere angesichts des Klimawandels hat der Schienenverkehr aus meiner Sicht absoluten Vorrang.

Für oder gegen B210n?

Grundsätzlich ist eine gute Verkehrsinfrastruktur ein wichtiges Element für eine Region. Die B210n halte ich aber mit ihren gestiegenen Kosten von 173 auf mittlerweile 261,9 Millionen Euro (kann immer noch mehr werden) für eine Fehlentscheidung. Laut Emder Zeitung werden durch den Bau der B210n 370 Hektar Fläche versiegelt. Flächen versiegeln ist genau das, was angesichts der Katastrophen wie in der Eifel nicht brauchen.

Anders als der Verein Pro B210n sehen die Grünen das Projekt Bundesstraße B210n ebenfalls kritisch.

Persönlich finde ich den Erhalt der Landschaft auch deshalb wichtig, weil Ostfriesland eine Tourismusregion ist. Ein Ausbau der Straßen, um dem steigenden Schwerlastverkehr gerecht zu werden, ist der falsche Weg. Güterverkehr wieder auf die Schiene zu bringen der richtige.

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