Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Armin Laschet setzt seit Neustem im Wahlkampf auf perfide Maschen zum Stimmenfang. Humanitäre Hilfe per Wahlzettel.

Auf den Hund gekommen

Vor sehr langer Zeit, als ich noch Redakteur der Schülerzeitung WIR am Gymnasium war, kamen wir auf eine perfide Idee für die Titelseite der neusten Ausgabe. Ein Bild von einem Hund, dem eine Pistole an den Kopf gehalten wird. Spruch dazu. „Kauf die WIR, oder wir erschießen den Hund!“.

Besonders originell war diese Idee natürlich nicht, das Bild gab es bereits als Cover vom „National Lampoon magazine“. Der Hund Cheeseface war darauf zu sehen. Auch wenn wir uns das abschauten, den Hund nahmen wir von der Chefredakteurin und stellten das Foto nach.

So perfide und subversive die Idee auf uns damals wirkte, eigentlich war sie ziemlich pubertär. Die Proteste gegen das Cover hielten sich genau so wie der Zuspruch in Grenzen. Zu einer besonderen Steigerung der Auflage führt das Cover auch nicht.

Allerdings befürchte ich, dieses Motiv irgendwann mal hier im Blog aufgegriffen zu haben. Für irgendwas mit der SPD, was die Sache auch nicht besser macht.

Im Kern betrachtet steckt hinter dem Motiv eine moralische Erpressung. So was alles andere als in Ordnung. Normalerweise hätte ich die ganze Sache mit dem Cover längst vergessen, wenn ich nicht gestern über einen Artikel im Spiegel gestolpert wäre.

Wahlkampf wird perfide

Die aktuelle Situation in Afghanistan dürfte bekannt sein. Ob derzeit die Entwicklungshilfe eingefrören wurde oder nicht, ändert nichts an der Situation der Ortskräfte. Sie wurde auf perfide Weise schutzlos zurückgelassen und sehe sich einer tödlichen Bedrohung durch die Taliban gegenüber.

Der Bundeskanzlerkandidat Laschet hat sagen nichts besser zu tun, als sich dazu in einer äußerst fragwürdigen Art und Weise bei einer Wahlkampfveranstaltung in Oldenburg zu äußern:

Ich werde als Bundeskanzler eine Garantie abgeben, dass jeder, der sich auf diesen Namenslisten befindet, der sich für Deutschland engagiert hat, in Deutschland Aufnahme findet.
Armin Laschet, August 2021

Übersetzt heißt das nichts anders als „Wählt mich, oder die Ortskräfte werden getötet.“ Das ist perfide, aber auch durchschaubar. Die Frage ist allerdings, ob sich Laschet damit selber ein Gefallen tut. Bei etwas minderbemittelten Wählerinnen und Wähler aus dem rechten Spektrum kommt möglicherweise an, Laschet würde im Fall eines Wahlsiegs die Flüchtlinge reinlassen.

Wie dem auch sei, mit so einem Thema sollte man nicht Wahlkampf machen. Humanitäre Hilfe sollte selbstverständlich sein, die Korrektur übelster Fehler in Bezug auf Afghanistan ist eigentlich das Mindeste.

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