Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Alt sein ist für die meisten von uns mit einem Zugewinn an Erfahrung verbunden. Gerade wir Älteren sollten daher Grün wählen.

Unfug zum Frühstück

Im Großen und Ganzen bin ich schon seit Jahrzehnten mit der Süddeutschen Zeitung zufrieden — auch wenn manchmal Artikel darin zu finden sind, mit denen ich in keiner Weise einverstanden bin. Es gehört jedoch zur Meinungsvielfalt, auch andere Sichtweisen nicht nur zu zulassen, sondern sich damit auseinanderzusetzen. Manchmal öffnet ein anderer Blick auf die Dinge ganz neue Perspektiven. Über den Tellerrand hinausblicken können halte ich zudem für eine wichtige Eigenschaft.

Es gibt aber auch jene Artikel, bei dem der Schaum vorm Mund nicht vom Cappuccino stammt. Artikel, die ich einfach nicht zu Ende lesen kann. Nicht weil eine andere Meinung vertreten wird, sondern weil ich die Kernthese für groben Unfug halte. So ging es mir heute Morgen auch mit „In die Jahre gekommen“ von Werner Bartens in der SZ.

Grob zusammengefasst wird dort die These vertreten, man würde mit zunehmenden Alter konservativeren daher dann CDU wählen. Aussagen wie „dass Senioren stärker als Jüngere auf soziale Akzeptanz und sozialen Status angewiesen sind“ widersprechen meiner gesamten bisherigen Lebenserfahrung. Auch dem, was ich in Schule und Studium gelernt habe. Möglicherweise wird hier auch soziale Akzeptanz und soziale Anerkennung wild durcheinander gewürfelt.

Wie dem auch sei, insbesondere im Studium habe ich jüngere Mitstudierende kennengelernt, die deutlich konservativer geprägt waren als Ältere. Nur weil man alt ist, muss man nicht automatisch konservativ sein.

Jung gegen Alt

Überhaupt diese Erzeugung einer Front zwischen Jung und Alt ist sowohl irreführend als auch gefährlich. Ich glaube sogar, dass insbesondere die erforderlichen Einschränkungen in der Lebensführung leichter fallen, wenn man alt ist, als wenn man als junger Mensch nach Freiheit dürstet.

Aber wie gesagt, für mich ist eine konservative Einstellung nicht eine Frage, ob jung oder alt, sondern abhängig von der Grundeinstellung. Von dem, was uns geprägt hat. Gerade wenn man alt ist, hat man bereits einiges erlebet. Das beeinflusst im erheblichen Maß auch die politischen Ansichten.

Betrachte ich meine eigene politische Haltung, sehe ich keine konservativen Positionen. Zum Teil gibt es einen anderen Blick auf bestimmte Themen, die aber auch stark von dem damit verbundenen Wandel abhängen. Bundeswehr heute und Bundeswehr vor 30 Jahren sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge.

Anders und mit den Worten eines gefallen Sozialdemokraten (was den Satz nicht schlechter macht) ausgedrückt: „Mein Herz schlägt immer noch links.“. Daran ändert sich auch weiterhin nichts.

In einem anderen Artikel in der SZ wird behauptet, Jung würde gegen Alt wählen. Glaube ich auch nicht. Unvorstellbar, dass Wendender, die damals gegen Castor-Transporte demonstriert haben, jetzt nur aufgrund ihres Alters plötzlich CDU wählen.

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